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#1sommer1buchtirol

Lady in Black

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Lady in Black | story.one

Da wir schon lĂ€ngere Zeit hundelos waren, beschlossen wir, uns dieses Mal einen Welpen aus dem Tierheim zu holen. Sein Fell sollte wieder wuschelig und seine Statur mittelgroß sein, das waren die einzigen relevanten Kriterien.

Im Tierheim in Bruck an der Leitha wurden wir dann fĂŒndig und nahmen ein winziges schwarzes FellbĂŒndel, eine Komposition aus Appenzeller Sennenhund und Schnauzer, mit nach Hause. Acht winzige FellbĂŒndel waren vom Besitzer dort abgegeben worden, nachdem die Appenzeller RassehĂŒndin von einem MischlingsrĂŒden, der wohl die Gene eines Zwergschnauzers in sich hatte, ungeplant geschwĂ€ngert worden war.

Lediglich das liebe Gesicht mit der rabenschwarzen Stupsnase und die Brust waren mit weißen Fellhaaren durchzogen und passten eher zum Hirtenhund wie auch zu Skippys Angewohnheit, unsere drei Knirpse, wenn sie im Wald um die Wette liefen, bei den Jacken zu packen und wie streunende Weidetiere einzufangen. Besonders die RĂŒckseiten der Regenjacken zeugten in Form eines lustigen Musters von Skippys ZahnabdrĂŒcken vom Geschick des heranwachsenden Weibchens, die familiĂ€re Herde zu behĂŒten.

Doch zuerst einmal musste unser neues Familienmitglied seine neue Heimat erforschen. Nach ein paar Tagen Flanieren im engsten Umkreis wagten wir uns schon ins Zentrum der Stadt, in den Sahulka Park, dessen GrĂŒnflĂ€chen sich an den Markplatz der Stadtgemeinde schmiegen.

Auf den mit GĂ€nseblĂŒmchen bestreuten Wiesen war ich schon als Kind herumgetollt und nun lockte der Park mit seinen modernen SpielgerĂ€ten und schattigen BĂ€nken Groß und Klein, selbst an kalten Tagen, ihre Wohnungen und HĂ€user zu verlassen.

Am Beginn der Karwoche fand sich dort der alljĂ€hrliche Ostermarkt mit liebevoll dekorierten StĂ€nden und einem kleinen Streichelzoo mit niedlichen Kaninchen ein. Deshalb war das Betreten der Parkanlage ausnahmsweise fĂŒr bellende Zeitgenossen verboten und ich wartete gemeinsam mit unserem sĂŒĂŸen Vierbeiner auf meine Familie beim Haupteingang des Parks. Und siehe da, Skippy wurde zu einer weiteren, nicht geplanten Attraktion des österlichen Marktes!

Mit ihren babyblauen, treuherzigen Knopfaugen blickte sie zwar noch etwas schĂŒchtern, aber dennoch neugierig vor allem die vielen kleinen Kinder an, die sie sofort ins Herz schlossen und ihr lockiges Fell streicheln wollten. HĂ€tte ich einen Hut herumgereicht, hĂ€tte sich Skippy bestimmt einige Cents, die wir gegen Hundefutter hĂ€tten eintauschen können, verdient. Aufgrund der ĂŒberraschenden Aufmerksamkeit, die man Skippy schenkte, konnten wir jedoch wenigstens fĂŒr den Tierschutzverein werben, denn dort warteten ja noch einige Geschwister unseres Hundebabys auf gute PlĂ€tze.

Unsere schnuckelige Lady in Black avancierte mit ihrem unvorhergesehenen Gastauftritt jedenfalls zum Publikumsliebling und bald schon wĂŒrde sie uns auf unserer Reise nach DĂ€nemark begleiten. Aber das ist eine andere Geschichte.

© Silvia Peiker 2020-10-15

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