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Lost im Louvre

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Lost im Louvre | story.one

Der Louvre. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2000. Dies sind die Abenteuer des Mutterschiffs, das mit drei Abenteuerlustigen drei Tage lang unterwegs ist, um die glitzernde französische Metropole zu erforschen, um le savoir-vivre zu entdecken. Viele Kilometer von Wien entfernt dringt das Mutterschiff in Quartiers vor, die nie ein Mensch zuvor so gesehen hat.

WĂ€hrend unsere braven MĂ€nner daheim die Kinder hĂŒten, stĂŒrzen wir uns voll Tatendrang ins Pariser Leben, saugen ausgehungert histoire und la joie de vivre in uns auf, so viel wie nur möglich. Wagemutig stellen wir uns mitten auf die achtspurige Avenue des Champs-ÉlysĂ©es, wo wir sehr zum Gaudium der Hotelpagen ein verrĂŒcktes Fotoshooting veranstalten. AmĂŒsiert beobachten sie, wie Karin, Manuela und ich mitten im abendlichen Verkehr den Arc de Triomphe in den Fokus der Kamera rĂŒcken.

Kurz vor 19 Uhr bringt uns die MĂ©tro zum nĂ€chsten Ziel, in den Louvre, der 1793 nach Abschaffung der Monarchie als Kunstmuseum der Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht wurde. Von der unterirdischen Station gelangen wir direkt ins VestibĂŒl, von dem viele Stufen, aber auch Rolltreppen, zu den AusstellungsrĂ€umen in den oberen Geschoßen oder in den Keller fĂŒhren, wo wir die kunstvoll gemeißelten Strukturen der antiken Plastiken bestaunen.

Bald zieht es uns hinauf ins Obergeschoß, Leonardo da Vinci steht ganz oben auf unserer Wunschliste. Es ist Mitte November, ein Wochentag und spĂ€t am Abend. Darum genießen wir wohl das Privileg, abgesehen von einem Ă€lteren Touristen, als einzige das LĂ€cheln der Mona Lisa zu erwidern. Und dieses zauberhafte GemĂ€lde, das einst auch das Schlafgemach NapolĂ©ons zierte, zieht mich in seinen magischen Bann, ich verliere mich im wissenden Blick von La Gioconda.

Aber es warten noch andere SchĂ€tze, die gehoben werden wollen, auf uns. Es fĂ€llt mir schwer, mich von Sandro Botticellis Fresko „Venus und die drei Grazien“ zu lösen, und wir spĂŒren auch „Le SacrĂ© de NapolĂ©on“ von David auf, das zeigt, wie der Neokaiser sich anmaßt, im Beisein des Papstes seine JosĂ©phine zu krönen.

Viel zu rasch verfliegt die Zeit und kurz vor 22 Uhr werden wir aufgefordert, den ehemaligen Palast zu verlassen. Rasch hasten wir zur unterirdischen MĂ©trostation des Museums, nur um zu sehen, wie ein gewaltiges, rasselndes Scherengitter herabsinkt und den Zugang versperrt. Nun bleibt uns nichts anderes ĂŒbrig, als den Louvre durch die Glaspyramide zu verlassen. Aber wo ist die nĂ€chste Station de MĂ©tro?

Draußen umfĂ€ngt uns stockfinstere, nur von Laternen erhellte Nacht. Das GelĂ€nde rund um das Museum ist riesig und das Pflastertreten ermĂŒdet uns sehr. Endlich finden wir einen Stiegenabgang, durch den man leider nur auf die andere Straßenseite gelangt.

Beherzt winkt Manuela einem vorbeifahrenden Taxi und wir sinken erschöpft in dessen Sitze und lassen uns zu unserem Hotel im wenig einladenden Arrondissement Pigalle chauffieren. La chance sourit aux audacieux.

© Silvia Peiker 2021-03-08

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