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#kindheitserinnerungen

Märchentage

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Märchentage | story.one

Verblasste Kindheitstage, die ihr im Verborgenen glimmt.

Die Erinnerung wachgeküsst und dazu bestimmt,

längst vergang'ne Zeiten heraufzubeschwören,

um dich mit Unbeschwertheit und Frohmut zu betören.

Hebt sich der herbstliche Nebelschleier ins Himmelsblau,

wirft dich zurück in die einst so naturbelassene Au.

Vage Erinnerungfetzen ziehen vorüber und mahnen

an die längst verblichen Knochen der Ahnen.

Gleitest vorbei an Dotterblumen und wildem Klee,

beobachtest mit großen Augen ein junges Reh.

Deine Zöpfe fliegen, du rennst wie der Wind

zum plätschernden Bach, kniest dich hin geschwind.

Siehst Fischschuppen glitzern im seichten Wasserstand,

beugst dich behende über den moosbewachs'nen Gewässerrand.

Winzige Kaulquappen tummeln sich in der trüben Brühe,

wollen heranwachsen wie du und ich, und siehe:

Plötzlich scheint das Universum unendlich zu sein,

hat Platz für alle, ganz gleich, ob groß oder klein.

Dein gewelltes Spiegelbild blickt dir im Wasser entgegen,

die Konturen verlaufen wie Tropfen im Regen.

Ein Gedankensprung katapultiert dich in eine andere Dimension,

hastest kopflos durch die Zeit, auf und davon.

Plumpst in einen Brunnen wie des Froschkönigs gold'ner Ball.

Verlierst dich im Echo des ewigen Widerhalls.

Schreckstarre: eine Bache mit ihren Frischlingen.

Mitten im Wald willst du vom Männlein singen,

Rotkäppchen begegnen und Schwertlilien pflücken.

Im Märchen gänzlich der Gegenwart entrücken.

Vergangenheit und Zukunft im Lebenskreis verschlungen,

Vergessene Geschichten, die uns die Alten sungen.

Einmal wieder vergnügt in Regenpfützen hüpfen,

Spontan aus dem Kokon der Vergessenheit schlüpfen.

Bilderschnipsel wirbeln vergilbt durcheinander,

glitzern mythisch im Feuer wie Salamander,

Rußige Asche verdunkelt den Morgen wie neugeboren,

Ideen sprühen wie Funken in der Ferne, noch unausgegoren.

Geistesblitze geschmiedet von Hephaistos' kunstfertigen Händen,

vereinzelt ans Ufer gespült an schneeweißen Palmenstränden.

Schimmernde Opale schmiegen sich zwischen Muscheln und Perlen,

so manche trügerisch wie des Erlkönigs missinterpretierte Erlen.

Zum Glück sind's Elfen, die dich zauberhaft mit filigranen Flügeln umgarnen,

Dich vor den oft unergründlichen Gefahren des Daseins warnen.

Behutsam schmiegst du deine Wange in deine geborgene Hand.

Suchend hast du dich wiedergefunden im hoffnungsvollen Märchenland.

Eigenes Foto: Max Pechstein, Iris im Abendschatten

© Silvia Peiker 2022-03-06

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