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Oh, it's a Picasso!?

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Oh, it's a Picasso!? | story.one

Unsere beiden Stubentiger verfügen augenscheinlich über eine bisher im Verborgenen schlummernde künstlerische Ader, der es gelingt, aus heiterem Himmel unser Haus mit spontanen Kreationen zu verschönern.

Während unsere jüngste Tochter tief konzentriert kobaltblaue und safrangelbe Farbtupfen auf Van Goghs wunderschöner vorgezeichneter Sternennacht auftrug, fixierten Garfield’s bernsteinfarbene Katzenaugen den zarten Pinsel, der gekonnt über die Malen-nach-Zahlen–Vorlage flitzte. Solange, bis der Kater völlig unerwartet hochschnellte, um mit einem gewaltigen Satz über Michelles Schulter mit allen vier Pfoten gleichzeitig auf dem noch unfertigen Bild zu landen, dessen frisch aufgetragene Kolorierung herausfordernd im Schein der Schreibtischlampe glänzte.

Ein empörter Aufschrei unseres Nachwuchses hatte zur Folge, dass der Übeltäter, der eigentlich das dünne Ding mit den Haaren im Visier gehabt hatte, schleunigst das Weite suchte und auf dem hellgrauen Laminat eine unverwechselbare impressionistische Spur in anfänglich noch satten Blautönen, die langsam ins Pastellblau verblassten, hinterließ.

Sherlock hätte vermutlich seine helle Freude über die eindeutige Fährte im Manier des Pointillismus zum Ausdruck gebracht und diese Art Attack mit folgenden Worten genauer unter die Lupe genommen: „Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache“. Resigniert jedoch ob des simplen Rätsels hätte er wohl die tapsigen Pfotenabdrücke mit langem Gesicht zur Schlafhöhle auf dem Kratzbaum zurückverfolgt, nur um dort den verzweifelten Versuch des Neokünstlers zu entdecken, seine einst hellrosa leuchtenden Zehen samt Ballen mit flotten Zungenbewegungen von der restlichen Acryfarbe zu befreien.

Auch unsere Knackwurst fühlt sich in Form von expressionistischen Malversuchen seit Neuestem dem Dadaismus verpflichtet.

Just in dem Moment, als der beste aller Väter einem seiner Hobbies frönte und winzige Fantasyfiguren mit superfeinem Dachspinsel gekonnt grundierte, wollte es sich unsere wohlgenährte, gestreifte Katze exakt zwischen Figur und malender Hand auf dem Tisch gemütlich machen. Leila kannte kein Erbarmen und schob mithilfe ihrer imposanten Körpermasse sämtliche Farbtiegel im Handumdrehen zur Seite. Im hektischen 2/2 Takt pendelte ihr Schwanz dann stakkatoartig hin- und her, bis er unversehens im offenen Farbtopf landete und dort kräftig umrührte.

Schwuppdiwupp, überzog sich die einst rabenschwarze Schwanzspitze mit bleicher Knochenfarbe, um dann schleunigst im nächsten Farbtiegel in Himmelblau zu versinken. Schwungvoll, mit gekonnten Schlägen des Naturhaarpinsels, wurde die monotone Tischplatte dann allmählich in Gedenken an Picassos blaue Periode mit einem hellen, abstrakten Muster überzogen.

Nach unserer Putzaktion waren wir uns einig: Äußerst kreativ, aber leider alles für die Katz!

Foto: Yamaitrop Vioreenlack,www.unsplash.com

© Silvia Peiker 2021-01-10

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