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#generations#hoppalas

Osterhasenperspektive

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Osterhasenperspektive | story.one

„Wir müssen die richtige Perspektive einnehmen, die Probleme des Alltags unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit prüfen. Sie lässt die Probleme klein erscheinen.“

Während ich diese weisen Zeilen des Philosophen Baruch de Spinoza lese, der sich im 17. Jahrhundert mit der Erkenntnisfähigkeit der Menschen auseinandergesetzt hat, wird mir so richtig bewusst, dass unser Osterfest heuer anders ablaufen wird. Ostern traditionell zelebrieren, wie wir es in den vergangenen Jahren im Familienverband mit fröhlichem Ostereiersuchen, Anschneiden des von meiner Mutter mit viel Liebe gebackenen Osterstriezels und der Biskuitlämmchen oder dem lustigen Eierpecken gewohnt waren - all dem ist nun aufgrund des erneuten Lockdowns im Osten Österreichs ein Riegel vorgeschoben worden.

Die Regentropfen, die an meine frisch geputzten Fensterscheiben klopfen, stimmen mich nachdenklich. Spinoza meint, dass wir mithilfe intuitiver, direkter Einsicht das Wesen der Dinge erkennen können. Und ich besinne mich darauf, wie oft ich schon das Fest der Auferstehung mit meinen Lieben ohne Einschränkung erleben durfte, und ich beschließe, das gesundheitliche Risiko ernst zu nehmen. Und plötzlich erscheinen viele längst vergessene Bilder rund um den Ostersonntag vor meinem geistigen Auge.

Als unsere drei Lieblinge noch klein waren, haben wir die Schnuller unserer Kinder eingesammelt und mit deren Einverständnis für die kleinen Hasenbabys draußen versteckt. So gelang es uns, unsere Jüngsten aus der Abhängigkeit des Saugens zu lösen und als Belohnung hat das Langohr selbstverständlich besonders gut gefüllte Nesterl im Immergrün unseres Gartens verborgen.

Herzlich haben wir auch miteinander gelacht, als unsere neugierigen Naseweise eines Tages Oma dabei erspähten, wie sie eifrig ihre liebevoll ausstaffierten Osterkörbchen unter Sträuchern und Blumen deponierte. Ohne Löffelohren hatten sie sich den Osterhasen nämlich nicht vorgestellt. Da musste rasch eine glaubwürdige Erklärung her und ich versicherte den Kleinen, dass die Helfer des Osterhasen krank geworden waren und Oma deshalb einspringen musste.

In der Fastenzeit konnten wir mit Basteleien stets neue, kreative Ideen verwirklichen, so unter anderem auch Eier mit buntem Wachs aus alten Kerzenresten verzieren. Da diese aus Kunststoff waren, kann ich sie noch heute auf den Osterstrauch hängen. Viele ausgeblasene Eier, die von den kleinen Händen kunstfertig dekoriert worden waren, gingen leider zu Bruch, aber das als Überraschungsei gestaltete Hühnerei unserer Ältesten hat bis heute überlebt, nur gut, dass es nicht aus Schokolade ist.

Und überrascht waren wir, als wir einmal unser Kätzchen selig schlummernd im aus Wollresten gewebten Osterkörbchen fanden und verblüfft, als bei einem Osterspaziergang im Wald plötzlich ein ausgewachsener Feldhase über den mit frischem Gras bewachsenen Pfad hoppelte. Da sag noch einmal jemand, es gäbe keinen Osterhasen!

© Silvia Peiker 2021-04-03

generationsLockdown - 3.(0) KlappeHoppalas, die uns zum lachen bringen

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