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#unbeschwertesreisen

Pigalle, Pigalle

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Pigalle, Pigalle | story.one

“das ist die große Mausefalle mitten in Paris, der Speck in dieser Mausefalle schmeckt so zuckersüß” trällerte schon gutgelaunt der große Peter Alexander. Schwärze, das nur unzureichend von schwachen Lämpchen über unseren Köpfen durchdrungen wird, umgibt uns, während wir uns in die gepolsterten Sitze des Busses schmiegen.

Wir, das sind acht junge Frauen, von denen vier bei einem Preisausschreiben eines Versandhauses gewonnen haben. Die meisten von uns haben drei Kinder, da ist Shoppen im Katalog von zu Hause bequemer, als mit einer nörgelnden Kinderschar an der Hand durch die Geschäfte zu flitzen. Ich bin eine von den glücklichen Gewinnerinnen einer recht anstrengenden Busreise nach Paris, denn alle zwei Stunden muss der Busfahrer seine gesetzmäßig vorgeschriebene Pause einhalten, was bedeutet, meistens im Nirgendwo anhalten, die volle Beleuchtung aufdrehen und Türen öffnen.

Als wir endlich in der französischen Metropole ankommen, habe ich nicht nur Ringe an den Fingern, sondern auch unter meinen Augen und könnte im Stehen einschlafen. Aber nur keine Müdigkeit vortäuschen, denn die Abenteurerlustigen haben eine Tour nach Disneyland, die Kulturjunkies nach Versailles schon im Voraus gebucht.

Wir checken in einem schmuddeligen Hotel im District Pigalle, dem berühmten Pariser Vergnügungsviertel, ein, wo schon unser deutschsprachiger Führer auf uns wartet. Nur eine kurze Rast und unser armer, ebenfalls unausgeschlafener Buschauffeur fährt zuerst nach Disneyland, dann weiter zum prächtigen Schloss des Sonnenkönigs, Louis XIV, wo uns unsere verschlafenen Gesichter aus den 17 mit goldenen Quer- und Längsstreben verzierten, mannshohen Spiegeln in der Grande Galerie entgegenblicken.

Auf der Rückfahrt sammeln wir unsere mit Mickey Mouse und Goofy Masken verkleideten Mitreisenden wieder ein und beenden den anstrengenden Tag mit einer Stadtrundfahrt. In einem Bistro delektieren wir uns an köstlicher Zwiebelsuppe und Quiche, trinken noch ein Gläschen Chardonnay und fallen todmüde in unsere Betten.

Doch an ungestörten Schlaf ist nicht zu denken, denn kurz vor Mitternacht hämmern offensichtlich Betrunkeneeine gefühlte Ewigkeit gegen unsere Zimmertür und begehren Einlass. Manuela und ich denken nicht daran, aufzumachen, und nach einigen bangen Minuten hat der Spuk schließlich ein Ende und wir können weiterschlummern.

Am nächsten Morgen wird uns bei einem kargen Frühstück, für jeden Gast ist lediglich ein einziges Croissant und eine Tasse Kaffee oder Kakao vorgesehen, klar, was es mit dem nächtlichen Intermezzo auf sich hatte. Unsere Absteige war ein ehemaliges Stundenhotel, und dass die meisten Zimmer Frauen beherbergen, hat sich unter den französischen Don Juans offensichtlich herumgesprochen. Wir ziehen bereits Streichhölzer, wer in den nächsten beiden Nächten die Nachtwache übernehmen wird.

Doch zunächst stehen Notre-Dame, Tour Eiffel und Lafayette auf unserer Do-Do-List.

© Silvia Peiker 2021-03-04

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