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#wiennurduallein#pratergeschichten

Praterschnecken

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Praterschnecken | story.one

Im Prater blühen wieder die Bäume, diese Melodie summend, schlendere ich durch die Praterallee, den Schatten suchend unter dem grünen Blätterdach der Kastanienbäume. Gerne erinnere ich mich an meine Kindheit, als ich mich als Highlight des Sommers darauf freute, mit meinen Eltern einmal jährlich in den Prater zu fahren.

Von meiner Mutter hatte ich wohl die Lust fürs Hochschaubahn- und Ringelspielfahren geerbt, denn kaum war die Fahrt mit der ältesten Achterbahn Wiens zu Ende, rief ich auch schon:

"Noch einmal!“

Und wieder ging’s in luftige Höhen, während mein Vater am Boden unten nervös mit beiden Händen die Handtasche meiner Mutter umklammerte. Lachend winkten wir ihm vom höchsten Punkt zu, um dann mit lautem Gekreische im ruckeligen Wagen hinunterzusausen. Und „Schön ist so a Ringelspiel“, sangen meine Mutter und ich stets, wenn wir uns in den sogenannten Topferlfliegern immer höher schraubten und die Menschen unten immer kleiner wurden.

Als ich schon die Oberstufe besuchte, wagten meine damalige Klassenkameradin Erika und ich einige Runden mit dem roten Hammer, der schon lange in Vergessenheit geraten ist, zu drehen. Das eine Ende der Attraktion beherbergte eine zweisitzige Kabine, während der andere längliche Teil den Stiel des Werkzeugs darstellen sollte. Todesmutig schlossen wir unsere Bauchgurte, und schon drehten wir uns wie ein Astronaut im Flugsimulator. Doch der Hammer war noch nicht mit uns fertig, denn plötzlich wechselte er die Richtung und wir beide wurden nach hinten geschleudert und wussten nicht mehr, wo unten und oben war. Ich dachte, mein letztes Stündlein hätte geschlagen, da ich, nachdem mich das Gewicht meiner Freundin zur Seite gedrückt hatte, halb aus der Einstiegsöffnung, die lediglich durch eine dicke Eisenstange gesichert war, hing. Nachdem wir endlich wieder auf dem sicheren Boden herumtorkelten, war uns bewusst, dass wir für eine Reise zum Mond völlig ungeeignet waren.

Ein unvergessliches Erlebnis verdanke ich meiner feschen Arbeitskollegin Verena, mit der ich im Sturmboot einen denkwürdigen Schaukelspaß erlebte. Vor dem Besuch des Vergnügungsparks hatten wir uns noch gemeinsam mit unseren besten Hälften im George and Dragon in der Rotenturmstraße den Bauch vollgeschlagen. Das war nicht sehr weise, wie sich allzu bald herausstellen sollte.

Denn Verenas Magen bekam die Auf- und Abbewegung der riesigen Schaukel gar nicht gut, ihre rosige Gesichtsfarbe hatte sich auf einen Schlag in ein bleiches Grün verwandelt. Völlig unerwartet, zum Leidwesen der Gegenübersitzenden, spuckte sie in hohem Bogen, da sie ja vorher Weinbergschnecken in Kräuterbutter geschmaust hatte, eine glitschige Schnecke nach der anderen auf die entsetzten Schaukelwütigen. Nach Beendigung des Höllentrips stütze ich die arme Verena, die natürlich rasch das Weite suchen wollte.

In reiferen Jahren blieb ich ängstlich am Boden, während meine Kinder begeistert ihre Loopings drehten…

© Silvia Peiker 2021-06-29

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