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Regenbogenbrücke

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Regenbogenbrücke | story.one

Weder Sonnenschein noch angenehme Temperaturen lockten mich aus dem Haus, um mithilfe meiner wanderfreudigen Füße meine täglichen Kilometer an der Peripherie Wiens abzuspulen. Am wolkenverhangenen Himmel kreisten kreischend einige grauschwarze Saatkrähen über die Felder, auf der Suche nach letzten Gemüseresten, nachdem der Bauer in den vergangenen Tagen mit seinem Pflug die Erde umgegraben hatte. Die triste Novemberstimmung hatte sich wie ein monströses Gewicht, auch wegen der tragischen Ereignisse rund um Virus und Terror, auf mein Gemüt gelegt, und ich bemühte mich, diesem Tief mit weit ausholenden Schritten an der frischen Luft so rasch als möglich zu entkommen.

Dieses Mal sollte mich einer der vielen Wanderwege in Wien, nämlich der Stadtwanderweg 6, der bei der Ketzergasse im 23. Gemeindebezirk seinen Anfang nimmt, zum Liesingbach führen, dessen Verlauf ich näher erkunden wollte. Seinen Ursprung hat das manchmal recht breite Bett des Baches im Wienerwald, durch den er munter plätschert, um dann gemächlich in einem teilweise künstlich angelegten Gewässerbett durch den 23. Bezirk bis nach Inzersdorf und Rothneusiedl zu mäandern.

Vereinzelt schüttelte Petrus da oben ein paar Regentropfen aus dem grauen Himmelssack. Ich war zwar mit Regenjacke unterwegs, die mir aber bei heftigeren Schauern wenig nützte, da meine Kapuze zum Spielball der immer stärker werdenden Windböen wurde.

Plötzlich erhaschte ich beim Voranschreiten bunte Lichtblicke, die mir wie ein verirrter Sonnenstrahl an diesem Vormittag entgegenleuchteten. Neugierig verdoppelte ich meine Geschwindigkeit, um beim Näherkommen eine kleine Brücke zu erkennen, um deren Geländer sich farbenfrohe Bänder schlängelten. In der Mitte der tanzenden Bänderschar baumelte ein foliertes Blatt, mit dem jeder, der vorbeikommt, aufgefordert wird:

Regenbogenbrücke:

"Als Zeichen des Zusammenhalts binde ein buntes Bändchen an die Brücke – umso mehr mitmachen, desto bunter wird die Brücke.“ Darunter ein schillernder Regenbogen und eine Zeichnung mit lachenden Kindern, die einander an den Händen halten.

Regenbogenbrücke, du hast mir den Tag gerettet!

Ein paar Tage später kehrte ich zur schmalen Brücke, die sich über den Bach spannt, zurück, schlang ein schönes violettes Geschenkband um das Brückengeländer und ich freute mich, dass ich Teil dieser Wärme spendenden Gemeinschaft sein darf!

Violett ist eine meiner Lieblingsfarben, sie soll das seelische Gleichgewicht und die Entschlusskraft fördern. In der Mediation soll sie helfen, körperliche Blockaden und psychische Unklarheiten zu lösen und Disharmonien auszugleichen. Als liturgische Farbe hat sie auch in Form von drei violetten Kerzen am Adventkranz Tradition, sie stehen für Buße und Verwandlung sowie Besinnung und Umkehr.

Kurz darauf beobachtete ich eine Mutter mit ihrem kleinen Jungen, wie sie gemeinsam ein rotes Bändchen an der grünen Balustrade befestigten. Herzerwärmend!

© Silvia Peiker 2020-11-17

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