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Ring of Brodgar

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Ring of Brodgar | story.one

Seine unregelmäßig gehauenen Steine erheben sich zwischen dem Loch of Stenness und dem Loch of Harray. Wie eine Versammlung von uralten Druiden ruhen sie seit 4500 Jahren in einem mystischen, beinahe perfekten Steinkreis. Mit einem Ausmaß von 104 Metern übertrifft die Kultstätte jene von Stonehenge, wobei jedoch nur noch 36 von den ursprünglich 60 steinernen Monumenten erhalten sind. Man kann nur Vermutungen darüber anstellen, ob diese auf einerAnhöhe errichteten Menhire aus religiösen Gründen oder für gesellige Zusammenkünfte der Stämme errichtet wurden.

Meine Gedanken wandern nach England, wo uns 2015 feiner Nieselregen begleitet, als wir zu Fuß den langen Marsch vom Besucherzentrum zum weltberühmten Steinkreis antreten. Nebelschwaden umhüllen die steinernen Riesen, die sogenannten Sarsensteine, und verleihen dem Areal rund um Stonehenge eine geheimnisvolle Aura.

Zwei Jahre später auf Orkney hingegen tänzeln die noch kräftigen Strahlen der Augustsonne zwischen den neolithischen Menhiren, sodass diese lange Schatten werfen. Eingebettet auf einer schmalen Landbrücke zwischen den beiden Seen blicken diese Monolithen auf eine weitere Kultstätte mit kleineren Ausmaßen, auf die sogenannten Stones of Stenness. Dort grasen zwischen den drei noch aufrecht stehenden, sechs Meter hohen Standing Stones friedlich Schafe. Die Tiere lassen sich von den Tourist*innen, die so wie der beste aller Väter eifrig den besten Fotomotiven hinterherjagen, nicht stören und wollen offensichtlich mit aufs Bild.

Unsere Landlady, die Archäologie studiert hat, lädt uns am darauffolgenden Morgen ein, mit ihr gemeinsam den Ness of Brodgar, eine neolithische Siedlung, zu besuchen. Ness bedeutet Landzunge und einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass 2003 ein riesiger Kerbstein von einem Bauern, während er seinen Acker pflügte, seinem dunklen Torfbett entrissen werden konnte.

Von Rona, die in ihrer Freizeit bei den Ausgrabungen mithilft, erfahren wir, dass zwei massive Wände, die wohl als Befestigungswälle erbaut worden waren und von einem Loch zum anderen reichen, noch immer unter der Erde ruhen. Der außergewöhnlichen Beschaffenheit der Steine von Orkney ist es zu verdanken, dass viele Gebäude erhalten geblieben sind. Zahlreiche erstaunliche Funde, wie kunstvoll verzierte Keramik, echte Perlen, Werkzeuge wie Feuersteine, Äxte und Messer, sowie seltene, bearbeitete Knochen lassen vermuten, dass hier ein reger Handel mit anderen, selbst vom Festland stammenden Gemeinschaften, stattgefunden hat. Auch hier gibt der Verwendungszweck eines mit Gravuren verzierten Steinballs Rätsel auf.

Wir sind Rona für die private Exkursion dankbar und nehmen sie mit zur Distillery Scapa, deren weiß getünchte warehouses gut mit dem hellen Sandstrand von Scapa Flow und dem blauen Meer kontrastieren. Am Abend genießen wir mit unserer Landlady im Wintergarten einige Drams und versprechen, wiederzukommen.

© Silvia Peiker 2021-03-10

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