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#natur#sinndeslebens#baumwelten

Seelenverwandte

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Seelenverwandte | story.one

Das Blatt,

es wird geboren,

erblüht, lebt,

atmet den Duft

der Freiheit,

fällt, stirbt,

findet sich am

kalten, erstarrten

Boden wieder

in buntem Gewande;

wird verbrannt -

Asche wandelt sich

in Staub, welche

Mutter Erde bereit-

willig aufnimmt

Die Seele gleicht

dem Blatt eines Baumes.

Sie erblüht in schönen Stunden

zu neuem Leben,

wiegt sich in Liebe und

Geborgenheit,

schlängelt sich durch

Leid und Freud,

kehrt einst zur wahren Stunde

zu dem zurück,

der sie lebendig erschaffen.

Jetzt, wo die bunten Blätter bald wieder von den Bäumen rieseln und im Herbstlüftchen tanzen, ihre Pirouetten drehen und als wehmütige Erinnerung an warme Frühlings- und heiße Sommertage Verstecke für Igel und anderes Getier bilden, drängt es mich, dieses Gedicht, das ich in jungen Jahren schrieb, euch ans Herz zu legen.

Für mich sind Blätter Kunstwerke, ich kann mich in den Anblick von ihren filigranen, von zarten Rippen durchzogenen Oberflächen, die sich untereinander wie unsere Adern verästeln, verlieren. Manche Blätter ähneln Fächern, so wie die des Ginkos, der auch als Glücksbaum bekannt ist. Rosen wiederum, das ewige Symbol der Liebe, weisen die gefiederten Konturen von Federn auf. Die Rosskastanie soll Kraft und Wärme verleihen und ihre gefingerten Blätter gleichen unseren Händen, während die widerstandsfähigen Farnwedel Haus und Bewohner vor Unheil und Krankheiten schützen sollen.

So wie unsere Adern den lebenspendenden Saft durch unseren Körper transportieren, so fließen durch die Blattadern Wasser und Assimilate, die infolge der Fotosynthese entstehen und tragen dazu bei, unsere Umwelt nicht nur grüner, sondern auch lebenswerter zu gestalten.

Für mich spiegeln Blätter das Werden und Vergehen der Jahreszeiten wider. Ich bewundere ihr zartes Keimen im Frühling, das sich zu üppigem Wachstum und schattenspendende Baumkronen in den Sommermonaten wandelt, bis ihr farbenprächtiges Kolorit im Herbst erstrahlt. Wenn sie schließlich gekleidet in Gold- und Brauntönen als letzte Farbtupfer zur Erde segeln und dem erkalteten Erdreich eine wärmende Decke spenden, ist der Winter nahe.

So gleiten auch wir durch die verschiedenen Lebensabschnitte, werden geboren, erblühen, spenden selbst Leben, werfen unseren Schatten schützend über unsere Liebsten und kehren dorthin zurück, wo alles seinen Ursprung genommen hat.

© Silvia Peiker 2021-09-07

Der Sinn des LebensGartengeflüsterVerse

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