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#1sommer1buchtirol

Souvenir von der Rax

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Souvenir von der Rax | story.one

Es versprach ein wunderschöner Altweibersommertag zu werden, als sich zwei Familien früh am Morgen für eine Bergwanderung nach Reichenau auf den Weg machten. Schon bald fuhren fünf Kinder und vier Erwachsene mit der Seilbahn hoch, um Wiens Hausberg, die Rax, zu erwandern. Unsere älteste Tochter Jasmin war daheim geblieben, da sie erstens für eine Schularbeit pauken, und zweitens im Internet nach einer roten Babykatze Ausschau halten wollte.

Beim Blick aus der Gondel auf die langsam entschwindende Talstation erhaschten wir noch die letzten gleißenden Sonnenstrahlen. Denn als wir die Bergstation erreichten, überraschten uns bereits dichte Nebelschwaden, die sich wie eine Faust vor uns auftürmten, und deren feine Tropfen auf unseren bunten Regenjacken glänzten. Gespenstisch hatte sich die zähe Brühe wie ein grauer Schleier über die herrliche Berglandschaft gelegt und dieser behinderte unsere Sicht dermaßen, dass wir weder die gefährlichen Abgründe noch unsere Vordermänner annähernd erkennen konnten.

Dieses Mal durften die Kinder nicht auf den ausgetretenen, steinigen Wanderpfaden zum Otto Haus voranlaufen, um Scout zu spielen. Sicherheit hat Vorrang und die Kinder marschierten brav wenige Schritte vor uns einander an den Händen haltend den Berg hinauf, der warmen Gaststube entgegen, wobei wir uns schon auf eine heiße Suppe freuten.

Im Berggasthof erreichte ich mithilfe von Karins Handy, dessen Empfang der dicken Nebelsuppe erstaunlicherweise trotzte, Jasmin, die uns von einem kleinen roten Kätzchen, das man in Felixdorf abholen könne, berichtete.

Nun, bei diesen widrigen Witterungsverhältnissen war an ausgedehnte Wanderungen ohnehin nicht zu denken, und so beschlossen wir spontan, im Tal noch Futter, Katzenklo und Streu für das neue Familienmitglied einzukaufen. Beim Vorbesitzer tauschten wir dann 20 Euro gegen einen niedlichen Kater, der sich gleich Schutz suchend an Michelle kuschelte, da viele Hunde laut bellend durch Haus und Garten tollten. Während der langen Autofahrt miaute er kläglich. Das hat sich bis heute nicht geändert, er mag keine rollenden Transporte ins Blaue hinein.

Garfield hatte sich bald in sein neues Zuhause eingewöhnt. Als er in den Flegeljahren steckte, unterzog das Leichtgewicht so manches von den Kindern gebautes Legohaus dem ultimativen Katzentest, um es zum Leidwesen der tüchtigen Erbauer zum Einsturz zu bringen.

Liebend gern vergriff er sich an Michelles Barbiepuppen. Arielle mit ihrer knallroten Mähne hatte es dem rothaarigen Fellknäuel besonders angetan, gleich und gleich gesellt sich ja gern. Oft stibitzte er den violetten Muschelbikini der Nixe. Mit der geraubten Reizwäsche zwischen den scharfen Zähnen trabte er dann mit seiner Beute zu seinem Geheimversteck, das sich hinter der Couch befindet. Und ich weiß nicht, wie oft er an der Korkwand im Wohnzimmer hochgeklettert war, um dann von uns wie Garfield im Comic aus luftiger Höhe gerettet zu werden.

© Silvia Peiker 2020-09-30

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