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Spielereien

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Spielereien | story.one

Ich hab' zwar kein Holz vor der Hütte, auch nicht davor. Dafür aber jede Menge in der Hand. “Hupf in Gatsch” vom Danzer kann ich zur Zeit auch nicht trällern, denn der Matsch ist Mangelware und tauschen möchte mit mir keiner. Statt einer Siedlung kann ich mir bei meinem Getreideüberschuss nur ein Bett im Kornfeld bauen.

Während in meinem Kopf die Melodie von “Marmor, Stein und Eisen bricht” im Labyrinth der Synapsen verzweifelt den Ausgang sucht, versuche ich mit mentaler Stärke Erz zu erwürfeln. Denn die Kombination Korn und Stahl ergäbe oh Wunder der teuberschen Gedankenkapriolen eine Stadt, mit der man zugleich zum Herrscher erkoren und Bezieher von zwei dringend benötigten Rohstoffen wird.

Um die Städte zu schützen, sind starke Fäuste in Form berittener Krieger vonnöten, für die ein Triumvirat aus wuscheligen Grasfressern, kostbarem Erz samt wogendem Getreide gewürfelt werden muss. Diese Rittermacht schwingt dann ihre Morgensterne gegen die von der See einfallenden Barbaren, denn unsere Städte sollen ja nicht geplündert werden.

Klaus Teuber macht's möglich, dass wir in diesen unsicheren Zeiten die Lanze brechen oder zu Seefahrern werden, Schiffe bauen und Inseln entdecken können. Dafür müssen nicht einmal Bäume gefällt und Schafe geweidet werden, nur das Würfelglück und die Tauschbereitschaft der Mitspieler sind ausschlaggebend, ob Land in Sicht ist und Punkte gesammelt werden können.

Wer Lust hat, kann auch auf den siegreichen Spuren Alexander des Großen bis nach Indien wandeln oder beim Bau der gewaltigen Cheopspyramide unter der Wüstensonne Hand anlegen.

Weitere historische Szenarien eröffnet die Erweiterung “Troja und Die große Mauer” Bei ersterem sollen rund um die schöne Helena die Städte Troja und Mykene gegeneinander ausgespielt werden, wobei das Trojanische Pferd erst spät den Spielercharakter preisgibt, der sich dahinter verbirgt. Die große Mauer muss erst auf Geheiß der chinesischen Fürsten errichtet und vor den invasorischen Mongolen geschützt werden.

Wer lieber in neolithischen Zeiten gelebt hätte, der kann sich in die Spielvariante “Händler und Barbaren”vertiefen. Diese sind damit beschäftigt, entweder Brücken zu schlagen oder Fische zu angeln. Die glitschigen Schuppentiere können dann wie in längst vergangenen Zeiten gegen wertvolle Rohstoffe eingetauscht werden. Vor dem Stiefel sollte man sich jedoch hüten, denn einmal rausgefischt - schwuppdiwupp - und schon purzeln die mühsam erkämpften Pluspunkte den Bach hinunter.

Dank der innovativen Siedler von Catan kann meine Familie immer wieder in neue Rollen schlüpfen. Das Brettspiel befeuert unsere Fantasie, weckt unseren Kampfgeist, stärkt unsere Gemeinschaft und entführt uns nicht nur in die Historie, sondern teleportiert uns mühelos auf exotische Kontinente, und das gänzlich ohne Reisekosten oder lange Anreisezeiten.

Unser Siedlerfieber hält nun schon zwei Jahrzehnte an, und das ohne Aussicht auf Heilung!

© Silvia Peiker 2022-01-11

Dinge und ihre GeschichtenSpielenDas bin ich!!!

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