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Strandläufer in Westjütland

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Strandläufer in Westjütland | story.one

Die Sonne hatte sich gerade ein kleines Stück über den Horizont geschoben, als wir unseren weißen Mazda Bus zum Ringköbing Fjord in Westjütland lenkten. Mit drei Kindern, unserer quirligen Mischlingshündin Skippy und reichlich Gepäck peilten wir als erste Station Hannover an, um nach der stundenlangen, zumeist langsamen Fahrt mit wenigen Pferdestärken eine wohlverdiente Rast in einem Motel einzulegen.

Im Morgengrauen wollten wir dann die letzten 600 Kilometer zu unserem Strandhaus zurücklegen und endlich den Meeresduft der weiten Nordsee in unsere Lungen füllen, den feinen Sand der, von unermüdlichen Winden, aufgehäuften Dünen auf unserer Haut spüren und den robusten Strandhafer mit eigenen Augen bestaunen.

Ein lichtes Mischwäldchen trennte unser Ferienhäuschen, das aus roten Holzbrettern gezimmert worden war, vom feinen Sandstrand. Das Glück war uns Muschelsuchern jedoch nur selten hold, denn zumeist zerbrach deren Schale bedingt durch den stürmischen Wellengang der bewegten See. Deshalb war es auch nicht möglich, so wie wir es von den seichten italienischen Stränden gewohnt waren, in den eisigen Wogen herumzuplantschen, da unterirdische Strömungen auch schon geübte Schwimmer aufs Meer hinausgezogen hatten.

Obwohl wir unverhofftes Glück hatten und das Thermometer zwei Wochen lang selten unter 30 Grad fiel, reichte uns ein erquickendes, salziges Kneippbad vollkommen und das klare Wasser des nahen Fjords, der im Frischhaltevergleich mit einem Tiroler Bergsee garantiert den ersten Preis gewonnen hätte, lud auch nur zum kurzen Verweilen ein.

Skippy war das egal, sie tollte vergnügt durch das kühle Nass, wenn ein Luftstrom die Oberfläche des klaren Brackwassers kräuselte, und sie grub vergnügt mit unseren Kindern im feuchten Sand.

Bei einem unserer ausgedehnten Strandspaziergänge schloss unser süßer Welpe Freundschaft mit Nugget, einem semmelbraunen Labrador. Nuggets deutsches Frauchen freute sich darüber, dass die beiden jungen Hunde miteinander so gut auskamen, und ab und zu durften die beiden Kleinen auch ohne Leine auf einer kleinen Lichtung unweit vom Meeresufer herumtollen.

Plötzlich erblickten sie eine Möwe, die frech wie Oskar im nassen Sand nach eingegrabenen Krabben wühlte. Wie der Blitz rasten die beiden Spielkameraden auf den Vogel zu, der natürlich sein Heil in der Flucht suchte, seine Schwingen ausbreitete und über den Strand davonflog. Unsere Vierbeiner hinterher, verfolgt vom besten aller Väter und unserer älteren Bekannten, die aber aufgrund des Höllentempos bald aufgeben musste.

Im Geschwindigkeitsrausch legten die beiden Hunde und ihr sportlicher Verfolger wohl einige Kilometer zurück, denn es dauerte eine geraume Weile, bis der unfreiwillige Strandläufer mit den beiden Ausreißern, alle drei mit heraushängender Zunge, wieder zu uns Wartenden zurückgekehrt war. Der Ausflug nach Westjütland hätte sich beinahe als lost an der Nordseeküste entpuppt!

© Silvia Peiker 2020-10-21

crazyanimalsKuschel Monster

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