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#1sommer1buchtirol

Tamra mag man eben

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Tamra mag man eben | story.one

Ein Soft Coated Wheaten Terrier, ein irischer Hirtenhund, sollte der neue Spielkamerad unserer Tochter werden. Im sĂŒdlichen Burgenland entdeckten wir einen ZĂŒchter, bei dem zwar kein Welpe, dafĂŒr aber eine zweijĂ€hrige HĂŒndin, die aufgrund einer Zahnfehlstellung fĂŒr die Zucht nicht geeignet war, auf ein neues Zuhause wartete.

Bald streiften wir, den Hund an der Leine, gemeinsam mit der ZĂŒchterin vorbei an keimenden Feldern, wobei die Entscheidung natĂŒrlich bei Jasmin lag, ob die Hundedame mit dem hellen lockigen Pelz ins ebenso flache Niederösterreich umziehen sollte.

Nun, die Terrierdame und Jasmin fanden Gefallen aneinander und zu Hause angekommen, schnĂŒffelte Tamra neugierig durch Haus und Garten. Wir Neohundebesitzer unternahmen noch einen lĂ€ngeren Streifzug durch das nahe WĂ€ldchen, damit unser bellendes Familienmitglied noch ihr letztes GeschĂ€ft verrichten konnte, was sie aber nicht tat, da die fremde Umgebung mit den Duftnoten von zahlreichen, in der Nachbarschaft lebenden bellenden Vierbeinern ja schon aromatisiert worden war. Da ich wusste, dass die Zeitspanne bei Weibchen vor dem nĂ€chsten Gassi Gehen weitaus lĂ€nger als bei RĂŒden ausfĂ€llt, machte ich mir keine Sorgen. Die Hundedame wĂŒrde sich schon melden, wenn es zwickte. Weit gefehlt!

In der ersten Nacht durfte Tamra natĂŒrlich sehr zur Freude unserer Tochter ihr Nachtlager im Kinderzimmer aufschlagen. Wir aber schliefen so tief und fest, dass wir gar nicht mitbekamen, dass der Hund ein dringendes BedĂŒrfnis hatte.

Erst als wir am nÀchsten Morgen erwachten, sahen wir die Bescherung! Der Vorraum hatte sich in einen Bach verwandelt, den es nun erst einmal zu umschiffen galt. Warum sie sich nicht gemeldet hatte, war bald geklÀrt. Tamra, so erfuhr ich von der Vorbesitzerin, verrichtete ihre Notdurft nur im Garten. So waren wir die nÀchsten Wochen emsig damit beschÀftigt, unseren Liebling daran zu gewöhnen, seine Blase auch in unbekannten Gefilden, wie Wald oder Feldweg, zu entleeren.

Als Wachhund war Tamra leider völlig ungeeignet. Sie bellte zwar fleißig, wenn sich etwas vor dem Zaun regte, aber unser GrundstĂŒck durfte jeder unbehelligt betreten. Einmal besuchte mich eine Freundin meiner Mutter. Die HaustĂŒr war unversperrt, denn der Hund war ja im Garten. Plötzlich stand diese Dame mitten im Wohnzimmer, woraufhin ich mich perplex bei ihr erkundigte, ob sie denn unseren Terrier gesehen hĂ€tte. Die Erwiderung: „Was, sie haben einen Hund?“ bewies, dass ich wohl besser in eine Alarmanlage investiert hĂ€tte.

Tamra war mit ihren seidig glĂ€nzenden Locken so hĂŒbsch, dass sie einem gestromten Boxer regelrecht den Kopf verdrehte. Sobald sie lĂ€ufig war, hielt ihn nichts mehr daheim! Er biss ein großes Loch in den Maschendraht unseres Zauns, nur um seinem Herzblatt nahe zu sein. Da blieb mir nichts anderes ĂŒbrig, als hochschwanger, mit gewaltigem Babybauch, den liebestollen Verehrer mit dem Besen aus dem Vorgarten zu treiben. Was fĂŒr ein Hundeleben!

© Silvia Peiker 2020-09-26

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