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#reiffürdieinsel#indenfängendernatur

Trinidad und Tobago

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Trinidad und Tobago | story.one

Der Blick auf das zauberhafte Farbschauspiel verliert sich in den kristallklaren, grünen Smaragdtönen und dunkelblauen Wellenbergen. Hier, wo sich Karibisches Meer und Atlantischer Ozean wie zwei Liebende in innigem Kuss vereinen, sorgen der unterschiedliche Salzgehalt des tropischen Gewässers und die kühleren Temperaturen des Atlantiks für eine Melange der besonderen Art. Kein Geringerer als der Portugiese Christoph Columbus hat auf dem weißen Sand als erster Europäer seinen Fußabdruck hinterlassen und der karibischen Insel den christlich gefärbten Namen Dreifaltigkeit verpasst, wohl aufgrund dreier markanter Bergspitzen, die sich in den meist tropisch-blauen Himmel recken. Doch nicht im November, wo das ansonsten gemäßigte Klima des Eilands in Folge der Regenzeit heftigen Niederschlägen weicht.

Esthers Abenteuerurlaub auf der Hauptinsel Trinidad hat gerade erst begonnen, als gewaltige Wassermassen die schlecht befestigten Straßen wegschwemmen und den Verkehr der wenig bekannten Urlaubsinsel, die hauptsächlich vom Anbau von Zuckerrohr und Kakao lebt, gänzlich lahmlegt. Viele Tourist*innen suchen ihr Heil in der Flucht Richtung Heimat, jedoch nicht die allein reisende Haarkünstlerin, die in Wien lebt. Sie lässt sich von der Gelassenheit der Einheimischen anstecken, die daran gewöhnt sind, dass es im Rhythmus der Jahreszeiten immer wieder zu Verwüstungen kommt, die leider auch Todesopfer fordern. Sie genießt ihr Singledasein, möchte lernen, mit sich allein klarzukommen, sich selbst zu genügen. Die Amateurathletin möchte nicht nur im Dschungel vorbei an exotischer Flora und Fauna sprinten, sondern auch die Unterwasserwelt der Karibikinsel ertauchen.

Doch die heftigen Regengüsse, die sich wie Wände vor die Pupille schieben, bremsen zunächst den Entdeckungsdrang der flotten Mitvierzigerin, und nach einer einsamen, durchregneten Nacht im Mittelklassehotel kommt es zum Unerwarteten. Am frühen Morgen gerät der vom Dauerregen durchnässte Hang vor ihrem Zimmerfenster ins Rutschen. Eine gewaltige Mure saust durch die Lobby der Herberge und macht erst im Frühstücksraum Halt. Aber Esther schläft den Schlaf der Gerechten und reißt erst ungläubig die Augen auf, als sie der knurrende Magen aus dem Hotelzimmer treibt. Wie durch ein Wunder sind keine Menschen zu Schaden gekommen, nur die Autos am Parkplatz stecken kniehoch im Schlamm fest.

Esther kann sich nur mühsam einen Weg durch die zähe, matschige Brühe bahnen, und beherzt greift sie, so wie die Hotelbediensteten und anderen Gäste, zur Schaufel und befördert Geröll und Schlamm schubkarrenweise nach draußen. Für die Friseurin ist es selbstverständlich, mit anzupacken, sie lässt sich erst unter den zersausten Palmen in die Hängematte plumpsen, als sie bemerkt, dass die Bediensteten des Hotels eine Pause einlegen und sich beim Tischtennis vergnügen.

Am sechsten Tag versiegen die Regenfälle und das exotische Inselreich lockt.

© Silvia Peiker 2022-03-13

Reif für die Insel

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