skip to main content

#liebeglaubehoffnung

Von guten Mächten wunderbar geborgen 0.0

  • 142
Von guten Mächten wunderbar geborgen 0.0 | story.one

Als wäre Dornröschen aus seinem jahrhundertelangen Schlummer erwacht, als wäre ein wunderschöner Traum wie eine schillernde Seifenblase zerplatzt. So fühlte ich mich, als ich den quaderförmigen, schmucklosen Bau mit seinem hohen Glockenturm ein letztes Mal im Rückspiegel betrachtete, während sich der Bus der Schwestern zielstrebig dem Stockerauer Bahnhof näherte. Bedächtig rollten wir auf vier Rädern der Welt entgegen, die uns vertrauter war als die stille Abgeschiedenheit hinter den dicken Klostermauern.

St. Koloman strotzt wie ein Fels in der Brandung den stürmischen Wetterkapriolen des Weinviertels. Umgeben ist es von Feldern, auf denen im Sommer die zerzausten Köpfchen der Sonnenblumen infolge des beständigen Windes den Wanderern zuzunicken scheinen, so als würden sie rufen: “Kehr ein, du bist willkommen!“

Fünf junge Frauen entstiegen zu Beginn des dreitägigen Pfingstwochenendes derselben, von Wien eintrudelnden Schnellbahn, um an Exerzitien bei den Steyler Missionsschwestern teilzunehmen. Fern von Lärm und Alltag wollten wir in der Stille lernen, uns wieder auf das Wesentliche im Leben, auf das Göttliche, dessen Funken ja in uns allen steckt, zu besinnen.

Meine gute Freundin Manuela und ich hatten die Absicht, ruhige Tage, erfüllt vom Heiligen Geist, im Refugium der Ordensschwestern zu verbringen, während die drei anderen unserer Gruppe, aus Wien und Niederösterreich angereist, auf der Suche nach ihrer wahren Bestimmung im Dasein waren.

Erst einmal mussten wir mit den strengen Ritualen, die das Klosterleben prägen, vertraut werden: Morgenandacht um 5 Uhr früh, tagsüber fixe Stundengebete in der kleinen Kapelle oder Gottesdienst in der Hauptkirche. Eine spartanisch mit Bett, Kasten, Nachttisch mit Bibel und Kruzifix an der Wand ausgestattete, helle Zelle.

Kurz darauf trafen wir uns in einem größeren Zimmer mit Empore, die sich hoch über unseren Köpfen in den Raum hinein öffnete. Hier würden wir während der Feiertage nicht nur miteinander Gespräche führen, beten und singen, sondern auch unsere Mahlzeiten einnehmen.

Schwester Teresas fröhliche Natur blitzte förmlich aus ihren Augen, die bereits von vielen winzigen Lachfältchen im jungen, runden Gesicht umrahmt waren. Sie führte uns an ihren Arbeitsplatz, die Klosterküche, deren breite Fensterfront einen guten Ausblick auf den frisch geharkten Gemüsegarten bot. Unter dem Hollerbusch, auf dem der Heilige, dem das Kloster geweiht ist, der Legende nach sein Märtyrerleben ausgehaucht hatte, erzählte sie uns von ihrer Sehnsucht, endlich auf Mission in ein fernes Land geschickt zu werden.

Bei den Blumenbeeten sahen wir eine betagte Nonne, Schwester Lucretia, die im Sudan bei Operationen assistiert hatte. Infolge der Wassernot war Händewaschen vor den Eingriffen nicht immer möglich gewesen. Auf dem heißen Kontinent hatte sie gelernt, mit einem Eimer Wasser täglich auszukommen. Diese Demut stimmte mich nachdenklich.

© Silvia Peiker 2021-05-12

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.