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#mitgefühl#mamawahnsinn

Der Spielplatz

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Der Spielplatz | story.one

Betty:

Ich muss jetzt schon lachen – schon wieder sie. Innerlich überdrehe ich jetzt schon gefühlt hundertmal die Augen im Minutentakt und schlage die Hände über dem Kopf zusammen. Am Parkplatz vor dem neuen großen Spielplatz steigt eine junge Mutter aus dem geparkten Kleinwagen. Fast jeden Tag kommt sie. Sie umrundet das Auto und hebt vorsichtig ihre kleine circa dreijährige Tochter aus dem Wagen. Unsicher schaut sich die Kleine um und begutachtet den Abenteuerspielplatz voller Kinder bevor sie sich zu ihrer Mama umdreht. Aufmunternd lächelt diese ihr zu und deutet ihr an, dass sie ruhig Loslaufen kann. Ich weiß jetzt schon was kommt. Denn es passiert eigentlich immer, wenn sie da ist. Während meine Kinder quer über den Spielplatz rennen, laut und vergnügt lachen und sich austoben, beobachte ich weiter belustigt die Szene auf der anderen Seite des Spielplatzes. Die Tochter von Miss Überfürsorglich versucht selbstständig ein Klettergerüst zu erklimmen. Man erkennt wie sehr sich ihre Mutter zurückhalten muss, um ihr nicht sofort zu Hilfe zu eilen. Bei der nächsten Stufe rutscht das kleine Mädchen ab und die junge Mutter steht sofort zur Stelle, obwohl nichts passiert ist. Es fließen nicht mal Tränen. Sofort hebt sie das Kleinkind vom Klettergerüst und versichert sich, ob es der Kleinen gut geht. Ich schüttle leicht und amüsiert den Kopf und denke mir nur 'typische peinliche Helikopter-Mama'.

Elena:

So oft es geht komme ich zum Spielplatz damit meine kleine Nora ein paar Abenteuer erleben kann. Ich möchte, dass sie Spaß hat. Als sie das Klettergerüst ansteuert, beginne ich sofort mich innerlich etwas selbst zu beruhigen und versuche nicht nervös zu werden. Angst und Sorge, dass sie sich verletzen könnte schwingen immer bei mir mit. Ich weiß, dass ich überfürsorglich bin, dass ich sie mehr loslassen muss damit sie Welt eigenständig erkunden kann. Aber das ist für mich nicht leicht. Andere Mütter belächeln mich dafür, ich weiß das, ich bekomme es mit. Ich sehe die Blicke, teilweise amüsiert. Sie haben ja zum Teil recht, ich kann trotzdem nicht aus meiner Haut. Sie kennen auch meine Geschichte nicht. Sie wissen nicht, dass ich Nora fast verloren hätte, als sie auf die Welt kam. Dass sie tagelang von mir getrennt war, weil sie ärztliche Hilfe brauchte. Sie wissen nicht, wie es ist, ständig in Angst und regelrechter Panik zu leben. Angst, sein eigenes Kind zu verlieren. Wenn man innerlich vor Panik gelähmt ist, während man äußerlich funktioniert... Weil man keine andere Wahl hat. Wenn man machtlos ist, obwohl man die Person sein sollte, die sie beschützt.Obwohl ich daran arbeite, fällt mir das Loslassen in jeder Sekunde schwer, denn in jeder einzelnen Minute möchte ich ihr zeigen, dass ich für sie da bin. Ich weiß, dass das Ablegen des unbehaglichen Gefühls in mir noch dauern wird, aber ich gebe mein Bestes. Als Mutter ist es nicht immer einfach, vor allem nicht, wenn man sich von anderen beobachtet fühlt.

© Sophie-Hood 2021-02-23

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