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Liebesenergie

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Liebesenergie | story.one

„Na, i mog net! Na, i bleib daham!“ waren stests die Antworten meines Vaters gewesen auf die Frage mit uns schwimmen zu gehen oder Bekannte zu besuchen.

Mein Vater hat sich die letzten 25 Jahre in seinem Computerkammerl verschanzt. Sein bester Freund war zuweilen ein Appel dann ein Commodore und in letzter Zeit ein gebogener Gamingbildschirm der beinahe so groß wie sein Kammerl war.Stets auf seinem Gamingstuhl thronend vor dem Monitor in andere Welten eintauchend wie Word of Worcraft und Civilization, war er mehr virtuell unterwegs als real.

Stets verbarrikadierte er sich in seinem Kammerl rauchend und kaffeeschlürfend zockender Weise meist nächtelang. Dann nur ein paar Stunden Schlaf und ab in die Arbeit Montag früh, mit wuscheligen zerstreuten Haaren und einem zerknautschten Hemd welches seinem übermündeten Gesicht Konkurrenz machte. Und dann kam er, der Schlaganfall, der mit einem Schlag sein Leben verändern sollte. Er brach im Wohnzimmer vor meinen Augen zusammen. Wurde sofort mit der Rettung nach Graz auf die Stroke Unit gebracht und war für einige Tage beinahe bewegungslos. Völlig zurückgeworfen und auf Hilfe andrer angewiesen, lag er im Bett und musste tagelang das Sitzen üben.

Eine immense Herausforderung nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Den starken Willen wieder mobil zu sein, übte er wieder zu gehen, zu greifen, zu sprechen und hatte viel Zeit sein Leben zu reflektieren.

Das Rauchen gab er sofort auf, nach 40 Jahre starke Zigaretten, die einmal mit dem Image des einsamen Cowboy warben, war er auch einsamer Mann geworden. Mama bereits verstorben, so wuchs in ihm der Wunsch wieder eine Frau kenne zu lernen und dafür müsse er mobil sein. Er war ein zacher Zechn und nahm alle Therapien mit einem geduldigen und dankbaren Lächeln an, während andere stets jammerten.

„Papa, da musst jetzt durch! Du schoffst des!“, sprach ich ihm via Telefon zu, denn C. bedingt durften wir uns nicht sehen, sondern nur telefonieren.

„Minischritte, ja die kleinen Erfolge sind jetzt große!“ war ihm bewusst, wenn er bei der Physiotherapie ein paar Bauklötze aufeinanderstapeln konnte wie ein Kleinkind. Jetzt hat er Roswitha kennengelernt und fährt auf einmal mit ins Schwimmbad wo wir Töchter ihn seit Jahrzehnten hinschleppen wollen.Die letzten Wochen konnte ich Taxi für den Herrn spielen und ihn von A nach B fahren, meist waren es Ärzte die konsultiert worden oder Therapien. Wir mussten uns mühselig abstimmen und siehe da, seit er Roswitha kennt kann er wieder Auto fahren! Täglich besucht er sie, holt er sie ab oder fährt mit ihr in der Gegend herum, sogar beim Ikea waren sie gestern und haben einen Kasten gekauft, den er schon seit einer ganzen Weile kaufen wollte.Die Liebesenergie, die macht es möglich! Sein ganzer Körper und sein Geist sind mit ihr erfüllt und die Lebensenergie sprudelt aus ihm heraus.

Wie Roswitha richtig sagt: „Dein Papa ist dem Tod von der Schippe gesprungen!“

„Ja, und jetzt ist er so richtig verliebt!“

© Sternenkind 2021-07-22

whatisloveVatergeschichten XY - aufgelöst

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