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Klimt auf Seide (2)

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Klimt auf Seide (2) | story.one

Als ich mich beim Frauenreferat meldete und sagte, ich würde mich gern mit meiner Seidenmalerei an der Zehnjahresfeier beteiligen, wurde meine Bewerbung gern angenommen. Inzwischen hatte ich etwa zehn Klimtbilder mit Themen aus dem Stoklet- und dem Beethovenfries, dazu Emilie Flöge in ihrem blauen Reformkleid. Sogar die Gesichter und Hände hatte ich zuwege gebracht, darauf war ich ein bisschen stolz. Denn die sind das Schwierigste, und viele Seidenmaler gehen ihnen aus dem Weg.

Auf die Fragen hin antwortete ich, dass ich selbst eine Ausstellung organisieren könne und keine nennenswerten Ausgaben habe. Doch hatte ich dabei nicht an die Bilderrahmen gedacht. Aber gut, so teuer würden die schon nicht sein.

Ich fragte bei dem Textilgeschäft in Bregenz, wo ich immer Wolle und Stoff kaufe. Sie waren einverstanden. Ich solle eine Werkliste erstellen und die Preise dazuschreiben. Bestimmt würden sich manche Leute nach den Seidenbildern erkundigen. Das Geschäft befand sich in der Fußgängerzone an bester Lage, in der Kaiserstraße.

Zwar riskierte ich nichts, denn ich hatte nur für mich selbst gemalt. Aber ein wenig aufgeregt war ich schon. Ich brachte die Bilder, und gemeinsam mit einem geschickten Angestellten hängte ich meine Klimt-Seidennachbildungen in die Schaufenster und den Glaskubus, der von vier Seiten einzusehen ist.

Als ich Viola diese Ausstellung zeigte, fiel auch mir auf, wie passend und einfühlsam das Geschäft die Bilder mit seinen eigenen Textilien farblich ergänzt hatte.

Natürlich spazierte ich ab und zu vorbei und freute mich, meine „Schöpfungen“ in der Öffentlichkeit zu sehen. Absichtlich zögerte ich mein Nachfragen hinaus. Schließlich betrat ich das Geschäft, um neuen Stoff zu erstehen, und erkundigte mich beiläufig nach den Interessenten für meinen reinseidenen Klimt.

Es gab NULL Echo. Weil ich keinerlei Hilfe benötigt und auch nicht um finanzielle Unterstützung gebeten hatte, war weder mein Name noch der Ausstellungsort irgendwo aufgelistet. Das wusste ich aber nicht und hatte nur insgesamt drei Personen informiert. Niemand hatte auch nur nachgefragt, nichts wurde verkauft.

Ich war zwar enttäuscht, aber nicht lange. Von Beginn an hatte ich die Seidenmalerei nur zur eigenen Freude betrieben. Etwa zwei Monate später habe ich die Bilder wieder geholt. Teils habe ich sie daheim aufgehängt, teils gelagert.

Doch zwei andere habe ich verkauft. Eines davon fertigte ich auf Wunsch ein zweites Mal an, weil noch jemand es haben wollte.

Beim Malen musste ich immer gebeugt stehen, senkrecht über dem Malgut, damit sich durch das Glas die Sicht nicht verschob. Doch das hatte mein Rücken nicht so gern. Drum hörte ich bald damit auf.

Im Advent stellte ich einige Weihnachts-Seidenkarten her und versendete sie an Familie und Freunde. Ich warf sie alle zugleich in den Briefkasten, mit dem Erfolg, dass ALLE verschwanden. Keine einzige Karte erreichte ihr Ziel, alle waren weg.

Bild: Privat

© Story_Sisters 2021-05-04

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