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#fremdewelten#reiffürdieinsel

Karibik Feeling

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Karibik Feeling | story.one

Die Matura war bestanden, der Sommer jung, das Fernweh groß. Das weiteste für mich erreichbare Reiseziel war Amerika. In Washington DC wohnte ich bei Verwandten und verbrachte eine tolle Zeit mit ihnen.

Meine um zwei Jahre jüngere Cousine war ein „Girl Scout“. Gleich unseren Pfadfindern durchstreiften sie Wald und Wiesen, saßen am Lagerfeuer und schliefen in Zelten. Das reizte mich enden wollend, da es für mich als Landkind nichts Besonderes darstellte und ich nicht deswegen in die USA geflogen war.

Als sie ihre Siebensachen für einen einwöchigen Scout-Tripp einpackte, fragte sie mich beiläufig, ob ich mitkommen wolle. – Wohin es denn gehe, fragte ich desinteressiert. „Karibik, Virgin Islands.“ – Oha! Ich wollte!

Tags darauf fand ich mich mit einer Handvoll pubertierender Teenie-Girlie-Scouts samt Betreuerinnen in einem hübschen Flugzeug wieder. So exciting! Next Stopp: Puerto Rico. Dort stiegen wir in eine kleinere Maschine um. Next Stopp: St. Thomas. Kleiner Flughafen, noch kleinere Maschine - wirklich klein! Darin saßen wir, müde und hungrig, auf einander gegenüberliegenden Sitzreihen aufgefädelt. Dem Tag war zwar das Licht schon ausgegangen, nicht jedoch seine Puste. Die hat uns auf dem Flugfeld fast umgeblasen. Aber bald hätten wir es geschafft, hieß es, nur noch ein kleiner Hüpfer wäre es aufs paradiesische Inselchen St. John.

Es sollten deren mehrere werden. Das kleine Flug-Ding hüpfte übermütig auf den Strömungen und Böen, sprang fröhlich in Luftlöcher und hatte Mordsspaß an den Turbulenzen, die uns durchrüttelten. Das prasselnde Getöse des Starkregens formierte sich zusammen mit dumpfem Donnergrollen und dem Tanz der Blitze aus allen Richtungen zu einer imposanten Live-Show, der schreckgeweitete Mädchenaugen an den Luken gebannt folgten.

Ich fixierte den Piloten, Typ „Tom Cruise“ in „Top Gun“, und top gechillt. „Solange er Kaugummi kaut und durch seine coole Sonnenbrille das Blinken der Instrumente erkennt – denn Sichtflug ist das keiner -, sind wir nicht in Lebensgefahr", war meine smarte Überlegung. Wenn er gelegentlich einen Blick über die Schulter warf, um nach seiner aufgeregt schnatternden „süßen Fracht“ zu sehen, bemerkte ich den Anflug eines amüsierten Grinsens um seine Mundwinkel.

Auf trockenem und sicherem Boden erlebten wir den nächsten Morgen. Generös und sonnig breitete er die unglaubliche Pracht der Karibik vor uns aus.

Sieben Tage lang war ich wie berauscht: schwimmen, tauchen, sonnen – Regenguss – schwimmen, tauchen, sonnen … Die Girlies waren mir zu jung und verspielt, ich erkundete die Insel lieber allein mit meiner “Zeiss”.

Unter den Palmen am weißen Sandstrand saß ein braun gebrannter Jüngling. Seine Augen strahlten im türkisen Blau des Karibischen Meeres, wenn er von seinem Buch aufsah und mir sein „Hi!“ zulächelte.

Rick aus Phoenix, Arizona, schrieb mir später zarte Briefe, auf Papier und mit Luftpost. Und eines Tages stand er mit Rucksack in Wien vor meiner Tür …

© Susanne Paulus 2021-01-23

Reif für die Insel

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