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#80tageumdiewelt#shangrila#cebu

Der Asiate vom Shangri-La

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Der Asiate vom Shangri-La | story.one

Es war Anfang November 2011 als ich berufsbedingt ziemlich unter Stress stand und dadurch ein starkes Bedürfnis nach einer Entgiftung, sowohl körperlich als auch geistig, verspürte. Da aber Fasten den Körper stark auskühlt, wäre für mich stets stark frierende Person Österreich hierfür nicht infrage gekommen. Daher suchte ich nach einer Fastengelegenheit in der warmen Ferne und wurde im philippinischen Cebu fündig, wo ich dann Ende November für 10 Tage eine Detox-Kur machte.

Das von einem Mönch, der ursprünglich Amerikaner war, geleitete Yoga Wellness Center war schlicht, aber ausreichend eingerichtet und bot trotz der Einfachheit eine angenehme Atmosphäre und einen gepflegten Garten.

Ich war bereits ein paar Tage dort, als zwei deutsche Frauen in das Institut dazustießen. Eine von ihnen lebte schon lange in Manila und die andere war ihre Schwester, die sie für ein paar Wochen auf den Philippinen besuchen kam. Sie beschlossen beide für 5 Tage nach Cebu zu fliegen, um hier ihren Körper zu entgiften.

Wir bekamen als Nahrung 3-mal täglich frisch gepresste Obst-Gemüsesäfte, die wir löffeln sollten, um so ein besseres Sättigungsgefühl zu bekommen. Zur Anregung des größten Organs, unserer Haut, erhielten wir Schlammpackungen und schwitzen in der Infrarotkabine. Wenn man mochte, konnte man bereits um 5Uhr morgens an der gemeinsamen Meditation mit anschließenden Asanas teilnehmen.

Nachdem wir drei uns auf Anhieb gut verstanden hatten, unternahmen wir einmal einen gemeinsamen Ausflug zum Strand, um nicht nur den ganzen Tag im Center eingesperrt zu sein, wo wir einen gemeinsamen Freund von ihnen trafen, der ebenfalls schon länger auf den Philippinen lebte.

Ein anderes Mal fuhren wir in das schicke Shangri-La Hotel in Cebu, das einer Hotelkette mit weltweit mehr als 100 Resorts angehört. Dort tranken wir das für die Gegend typische Kokoswasser aus frischen, grünen Kokosnüssen. Dies war während des Fastens erlaubt beziehungsweise sogar förderlich, da der Saft reich an Vitaminen, Spurenelementen und Enzymen ist. Nach dem erfrischenden Drink begaben wir uns an den paradiesisch weißen Sandstrand und sprangen in das pazifische Meer, welches eine selbst für mich angenehme Badetemperatur hatte.

Wir lagen gerade zum Trocknen auf unseren Badetüchern als mein Blick von einem Asiaten angezogen wurde, der einen japanischen Einschlag zu haben schien. Er war mindestens 1,90 Meter groß, von schlanker sportlicher Statur und hatte dichtes, dunkles Haar. Unsere Blicke trafen sich zwar nur kurz, dennoch intensiv, bevor er sich langsam und elegant wie ein Leopard wieder von uns wegbewegte. Ich hatte bis zu jenem Tag nie einen Gefallen an asiatischen Männern gefunden, doch dieser eine Mann hatte eine ganz besondere Ausstrahlung, die auch meiner Fastenkollegin sofort auffiel.

Obwohl diese Begegnung nur einen Bruchteil andauerte, habe ich selbst jetzt noch sein Bild im Kopf. Hätte ich ihn damals vielleicht ansprechen sollen?

© Sylvia Eugenie Huber 2021-01-24

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