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#80tageumdiewelt#bibione

Früher in Bibione

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Früher in Bibione | story.one

1984 ist nicht nur der Titel von George Orwells dystopischem Roman, sondern auch das Jahr in dem es wieder einmal im Sommer nach Bibione ging. Mit dem von meinem Vater umgebauten Campingbus fuhren wir früh morgens gemütlich los, denn über den Triebener brachte es der Bus oftmals nur auf 20km/h. Nach der Grenzkontrolle, die damals mitunter Stunden dauern konnten, erreichten wir das gelobte Land, indem Kinder richtig laut sein durften und alles viel billiger als daheim war, zumindest in den 80-er Jahren.

Mit drei Kindern an Bord musste natürlich regelmäßig eine Pause eingelegt werden, entweder zum Pinkeln oder weil die hungrige Meute mit einer Eskalation drohte. Egal ob Spaghetti Bolognese oder Pizza Margherita – in Italien schmeckte alles immer nach Urlaub. Und natürlich gab es täglich ein Gelato als Nachspeise, die Temperaturen waren ja immerhin auch um ein paar Grad wärmer als in Österreich.

Nach vielen Fahrtstunden in Bibione angekommen, hieß es zuerst einmal den Campingplatz ausfindig machen. Aber dann nichts wie zum Strand und ab zum Planschen oder Schwimmen ins Meer. Dazwischen wurden Sandburgen gebaut, Krebse und Fische mit dem Netz gefangen und in einen Eimer zum Beobachten gegeben. Wenn ein Strandverkäufer vorbeikam, wurde auch einmal ein Badetuch oder Souvenir gekauft, nicht zu vergessen jene mit Kokosnuss, Eis oder kühlen Getränken – irgendetwas wurde immer abgenommen.

Am Abend schlenderte man in die Stadt, wo nicht nur der Hunger gestillt wurde, sondern auch bunte Lichter und laute Musik dafür sorgten, dass Kinder vom Luna-Park angezogen wurden. Der süße Duft von Zuckerwatte bewirkte, dass auch ausreichend vom rosa gesponnen Kristallzucker konsumiert wurde.

Wenn einmal ein Tretmobil ausgeliehen wurde, waren mein Bruder und ich ganz stolz darauf, dass wir vorne sitzen und lenken durften. Nachts ließ uns das Surren von Gelsen oft nicht einschlafen, da durch die Giftsprühflugzeuge leider eher ein Vogelsterben verursacht wurde, anstatt den lästigen Blutsaugern ein Garaus zu machen. Aber das Meerwasser war damals sauber und hatte eine heilende Wirkung, sodass trotz unzähliger Einstiche unsere Freude nicht gemindert wurde.

Manchmal stießen Freunde oder Familienmitglieder nach Italien dazu und während eine riesige Schar Kinder irgendeinen Blödsinn anstellte, tranken die Oldies, wie wir sie später nannten, Wein aus 5 Liter Kanistern. So hatte jeder seinen Spaß und blickte immer mit einem Lächeln auf die gemeinsamen Reisen zurück. Unvergessen auch, als mein Bruder täglich mit dem Spaten beim Vorderrad des Busses etwas Sand wegpudelte. Nach ein paar Wochen war das Loch bereits derart groß, dass die Abreise dadurch nicht gleich möglich war. Nur durch vereinte Kräfte konnte die Abfahrt schlussendlich stattfinden.

Viele der Nachbarskinder verreisten nie, da es ihnen finanziell nicht möglich war. Für mich waren die Italienurlaube als Kind immer ein lustiges Erlebnis, an das ich gerne zurückdenke.

© Sylvia Eugenie Huber 2021-02-12

Kindheit

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