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Gefühls-Sonaten

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Gefühls-Sonaten | story.one

Psychologisch wird oftmals zwischen sensorischen Wahrnehmungen von Gefühlen wie zum Beispiel Trauer oder Angst und den dadurch verursachten motorischen Reaktionen wie Weinen oder Zittern unterschieden.

Von den ursprünglich im bereits 4. Jahrhundert vor Christus festgelegten 2 Primäraffekten Lust und Unlust erweiterte Aristoteles jene auf 11 (Begierde, Zorn, Furcht, Mut, Neid, Freude, Freundschaft, Hass, Sehnsucht, Eifer, Mitleid) und Descartes wiederum reduzierte jene auf 6 (Freude, Traurigkeit, Verwunderung, Liebe, Hass, Begehren) und Spinoza etwas später sogar auf nur noch 3 Basisgefühle (Begierde, Freude und Hass).

Heute bestehen die häufigsten Modelle aus 5 (Angst, Freude, Traurigkeit, Wut, Scham) oder 7 (Freude, Überraschung, Ekel, Verachtung, Trauer, Angst, Wut) Grundemotionen.

Bei Weitem spannender als die Anzahl der Emotionen finde ich jedoch die Aussage eines mir bekannten Therapeuten, der einst sagte, dass man zwei Emotionen nicht zeitgleich haben kann. Kurz hintereinander ist es sehr wohl möglich, aber nicht parallel. Man kann also von einer tobenden Wut, bei der man Gegenstände zusammenschlägt, in tiefe Trauer übergehen und danach zusammengekauert in einer Ecke sitzen und Bäche an Tränen vergießen.

Jener Bekannte setzt auch die unglaubliche Wirkung von Musik zur Therapie ein.

Ich fand das damals äußerst spannend und machte daraufhin einen Versuch mit mir selbst. Als ich einmal vollkommen wutentbrannt war und am liebsten alles kurz und klein geschlagen hätte – keine Sorge, ich machte es nicht tatsächlich, obwohl es einer Widderfrau zuzutrauen wäre – suchte ich mir eine mich zu Tränen rührende Musik auf YouTube. Und was wäre hierfür besser geeignet als Beethovens „Sonata quasi una fantasia“ oder auch besser als „Mondscheinsonate“ bekannt. Meine Wut schwand folgedessen rasch und schwang in der Tat in Trauer über, welche ich dann in Frieden fließen lassen konnte.

Seither nutze ich des Öfteren Musik, um beispielsweise gezielt meine Stimmung zu heben.

Doch manchmal liebe ich es, mich einfach der berührenden Wirkung des Klaviers hinzugeben und höre Lieder wie „Clair de lune“,“ Comptine d`un autre ete“ oder „Una Mattina“. Denn nichts geht über die reinigende Wirkung von Tränen, egal ob ausgelöst durch Trauer oder einfach weil man von der Schönheit der Komposition ergriffen ist.

Bild: Francisco Moreno / Unsplash

© Sylvia Eugenie Huber 2020-06-21

Was Musik mit uns macht

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