skip to main content

Kann man auf Medien verzichten?

  • 201
Kann man auf Medien verzichten? | story.one

Eine spannende Frage. Viele werden vielleicht sagen, dass man ja informiert sein muss, was in der Welt so vor sich geht. Doch muss man das wirklich?

Ich bin seit mehr als einem Jahrzehnt ein Medienverweigerer, sprich ich höre keine Nachrichten, lese keine Tageszeitung und schaue keine Zeit im Bild. Warum? Da ich festgestellt habe, dass mir die ganzen Negativberichte nicht gut tun.

Schon im Jahr 2001 machte mir 9/11 schwer zu schaffen und durch die unzĂ€hligen Berichterstattungen verfolgte mich das Thema des Nachts, wodurch ich schweißgebadet aufwachte und glaubte, dass Österreich jetzt im Krieg wĂ€re. Aber ein Terroranschlag dieses Ausmaßes ist wohl an den meisten nicht spurlos vorbeigegangen.

Es ging jedoch weiter so, dass ich beispielsweise nach dem Film Inglourious Basterds (2009), fĂŒr den sich Christoph Waltz den Oscar redlich verdient hatte, in der Nacht trĂ€umte, die Nazis wĂ€ren wieder aktiv und verfolgten alle, die sich ihnen entgegenstellten.

TĂ€glich rollt eine Welle der Gewalt, Korruption und MissstĂ€nde ĂŒber Österreichs Medien auf uns herein und schĂŒrt Angst und Hass. Aber ist es konkret fĂŒr mein Leben bedeutsam, zu wissen, dass eine Frau irgendwo niedergeschlagen und brutal vergewaltig wurde, ein Asylant einen Betreuer angegriffen hat oder ein Jugendlicher aus Langeweile in einem Zoo ein kleines Ferkel zu Tode gequĂ€lt hat? Wohl kaum. Es lĂ€sst mich nur daran zweifeln, dass es auch (noch) Gutes in dieser Welt gibt.

Und ganz ehrlich, die großen Katastrophen wie Fukushima und nun Corona, die einen Einfluss auf mein Leben haben könnten, bekommt man auch mit, wenn man keinen Fernseher einschaltet.

Erst vor ein paar Tagen hatte ich in Instagram, welches fĂŒr mich bislang eine Plattform fĂŒr schöne Bilder jeglicher Art war, wieder einmal eine Lektion bekommen, nicht zu viel Negatives an mich rankommen zu lassen. Ein Bekannter postete ein Bild von kleinen KĂ€tzchen, der Text dazu, war jedoch nicht so sĂŒĂŸ. Jemand entsorgte diese samt der Katzenmama in einen gekĂŒhlten Tierkörperverwertungscontainer. Drei Jungkatzen konnten zumindest gerettet werden. In der Nacht trĂ€umte ich dann etwas vollkommen Skurriles, nĂ€mlich dass ich meine Oma besuchte – sie ist ĂŒbrigens schon lange tot – und plötzlich ein Miauen hörte. Als ich in den Keller zum Nachschauen gehen wollte, bemerkte ich, wie jemand ins Haus eindrang und versteckte mich daher hinter einem Kasten. Der Mann und die Frau nahmen die kleinen KĂ€tzchen an sich und injizierten irgendetwas in sie, das sie aufquellen ließ. Sie sprachen davon, dass sie bald das Material aus den Katzen gewinnen könnten. Als die zwei wieder das Haus verließen und ich aus meinem Versteck nach vorkam und die Katzerl aufsuchte, brach ich in TrĂ€nen aus, was man den armen Tieren angetan hatte. So erwachte ich dann auch um 4 Uhr morgens, komplett aufgewĂŒhlt und verstört.

Ich fĂŒr meinen Teil brauche keine Medien, aber vielleicht bin ich einfach nicht genug abgestumpft. Oder besser gesagt - Gott sei Dank!

© Sylvia Eugenie Huber 2020-04-28

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.