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Karneval in Venedig

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Karneval in Venedig | story.one

2019 fiel mir ein Schreibseminar in Venedig zu, welches mir die Möglichkeit bieten sollte, einerseits ein paar Tage in der wunderschönen Lagunenstadt zu verbringen und andererseits an einem Workshop teilzunehmen. Die Anreise erfolgte mit dem Nachtzug und bei Ankunft am Bahnhof begrüßte mich gleich einmal die Sonne, was nach den winterlichen Monaten eine angenehme Überraschung war.

Das antik eingerichtete Hotel war absolut nach meinem Geschmack und beim Fußmarsch zum Seminar ließen die bunten Schaufenster ganz klar erkennen – es war Karneval in Venedig. Außerordentliche Kostüme, soweit das Auge reichte und Menschenmassen, die das Spektakel erleben wollten. Bei der Rialto-Brücke schoben sich derart viele Touristen voran, sodass ich sofort die Flucht ergriff.

Seminar-Übungen führten uns immer ins wilde Treiben, um uns zu inspirieren. Doch ich lief oftmals in kleine Gassen abseits des Trubels, um mit Heft und Stift bewaffnet meine Erlebnisse niederzuschreiben.

Am nächsten Tag wollte ich die Stadt inspizieren und begab mich schon um 6.30Uhr auf den Weg. Der Markusplatz mit seinem knapp 100 Meter hohen Campanile, die Basilica mit ihrer außergewöhnlichen Fassade oder der Dogenpalast – allesamt architektonische Kunstwerke. Der Sonnenaufgang an der Ponte dell’Accademia beendete vorerst meinen morgendlichen Spaziergang.

Mit dem Lift fuhren wir auf das Dach des Fondaco dei Tedeschi Kaufhauses, von dem man einen sagenhaften Ausblick auf die venezianische Stadt genießen kann. Nachmittags bekamen wir Umhänge und Masken und sollten in eine beliebige Rolle schlüpfen und die Resonanz darauf wahrnehmen. Ich erschuf Prinzessin Eugenie, welche durch die Maskierung die Möglichkeit erhielt, endlich ohne Bewachung durch die Stadt zu marschieren. Spannend war, dass trotz der vielen Touristen mein Voranschreiten ein Einfaches war, als würde tatsächlich die Prinzessin kommen und die Mengen weichen. Als ich mich auf einen Seepoller setzte, sah mich ein Mann an, der gerade sein Boot festmachte. Er kam dann zu mir herüber und gab mir eine Dose Fanta, für die ich mich bedankte. Welche unglaubliche Wirkung es auf das Umfeld ausübt, wenn man kurz in eine fremde Rolle schlüpft. Zu Hause schrieb ich Folgendes über meine Reise.

Melancholia

Nun bereite ich mich auf meine Rückreise vor und Schwermut überfällt mich schlagartig. Einerseits, dass mein kurzer Ausbruch aus dem Alltag nun wieder zu Ende ist und andererseits der große Zweifel, ob ich mich weiter dem Schreiben widmen soll.

Es waren so gute, talentierte Teilnehmer beim Workshop, deren Worte manchmal wie Pfeile direkt ins Herz trafen und eine Gefühlsexplosion in mir bewirkten. Geht es denn nicht immer darum, eine Emotion zu erzeugen? Vermögen meine Worte ebenso Gefühle auszulösen und den Leser zu berühren? Ist der Wunsch als kreativ Schaffender tätig zu sein größer als der Sinn für Realität? Verliere ich mich in meinen Träumen und ist Enttäuschung der einzige Lohn dafür?

© Sylvia Eugenie Huber 2021-02-01

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