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Mein UPS-Zusteller

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Mein UPS-Zusteller | story.one

Ich bekomme regelmäßig Pakete zugestellt und nein, ich rede jetzt nicht von Amazon, sondern von Produktlieferungen der Firma, für die ich tätig bin.

Die meisten Zusteller arbeiten heutzutage auf selbständiger Basis, müssen sich daher einen Lieferbus selbst kaufen, ständig schwer schleppen, teilweise auch in Häusern ohne Lift und erhalten pro Paket anscheinend nur zwischen 40 und 60 Cent.

Seit fast 1 ½ Jahren hatte ich einen UPS-Zusteller, der stets freundlich und verlässlich war und mir im Falle meiner Abwesenheit, meine Pakete vor der Haustüre platzierte. Wenn er mich persönlich angetroffen hat, habe ich ihm immer 1 Euro in die Hand gedrückt, da ich ja über die miserable Bezahlung Bescheid wusste.

Er bedankte sich jedes Mal sehr herzlich darüber und ich freute mich, wenn ich sein geringes Einkommen zumindest ein bisschen aufbessern konnte, immerhin bekomme ich in starken Monaten bis zu 6 Lieferungen und in meinem Wohnhaus ist ebenfalls kein Aufzug.

Am Dienstag war ich nach langem wieder einmal unterwegs beim Kunden und als ich nachmittags heimkam und das Postfach öffnete, fand ich eine Sendehinterlegung. Ich fuhr daraufhin in die Trafik, um mein Paket abzuholen und fragte, warum es diesmal nicht abgestellt wurde. Daraufhin erfuhr ich, dass mein UPS-Zusteller seine Tätigkeit niedergelegt hatte, da trotz seines Engagements das Einkommen in keiner Weise ausreichte.

Die Dame meinte, dass die Versandkosten, die keiner mehr bezahlen will, das Hauptproblem sind, da so keine Finanzierung des Service mehr möglich ist. Begonnen hat damit der bekannte Riese Amazon, der nicht nur milliardenschwer ist, sondern auch Steuerschlupflöcher zur Genüge kennt, um kaum Abgaben an den Staat abzuführen.

Ich vermisse meinen netten Zusteller und hoffe für ihn, dass er nun eine Arbeit gefunden hat, wo er für seine Leistung gerecht bezahlt wird.

Achja übrigens, den neuen UPS-Zusteller habe ich heute kennengelernt und natürlich auch 1 Euro gegeben. Dies könnte ja eigentlich jeder machen, oder? 😉

Foto: Maarten van den Heuvel / Unsplash

© Sylvia Eugenie Huber 2021-01-21

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