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#80tageumdiewelt#bukarest

Sightseeing und Autostoppen in Rumänien

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Sightseeing und Autostoppen in Rumänien | story.one

Als ich 2006 merkte, dass mich die klassischen Urlaubsdestinationen immer mehr zu langweilen begannen, flog ich mit einer Freundin nach Rumänien.

Das Hotel in Saturn war schön und lag direkt am Schwarzen Meer, doch anders als an üblichen Stränden dröhnte hier laute Pop-Musik aus den Lautsprechern. Das Land war für unsere Begriffe eher arm, dies merkten wir, als ich bei einem Kiosk Knabbereien kaufen wollte und sie auf €20 nicht rausgeben konnten.

Im naheliegende Mangalia besichtigten wir im Keller des Hotels President die Ausgrabungen der im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründeten Stadt. Auch dort befanden sich wunderschöne gepflegte Sandstrände, wo wir uns sonnten und badeten.

Bei der Reise nach Bukarest fiel uns auf, dass eine rote Ampel hier kein Grund zum Stehenbleiben war. Die Suche nach einem günstigen Hotel gestaltete sich schwierig, aber nach 2h wurden wir in einem Hotel fündig, welches unter €100 für die Nacht verlangte. Der junge Page, der unser Gepäck ins Zimmer brachte, fragte, ob wir an einer Stadtführung interessiert wären. Er zeigte uns ein Prospekt mit den Kosten und bot eine private Tour zum gleichen Preis an. Gemeinsam mit seinem Freund hielten wir am prunkvollen Athenaeum als auch am nationalem Kunstmuseum, wo 1989 die Revolution gegen den Diktator Nicolae Ceaușescu begann. Spannend fand ich die Symbiose aus alten Gebäuden mit neuen modernen Glaselementen, die ich zuvor noch nie in dieser Art gesehen hatte. Es folgten die Kirchen Kretzulescu und Patriarhală mit ihren unglaublichen Fresken und daneben der Patriarchenpalast – allesamt architektonische Glanzleistungen.

Beim Besuch des Parlamentpalastes wollten die jungen Herren nicht mitkommen, da sie dies zu sehr an die Schreckensherrschaft erinnerte. Das wahnsinnige Staatsoberhaupt ließ über 5 Jahre im Wert von 3,5 Mrd. USD das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt erbauen. Im Paris des Ostens befindet sich ein sogar größerer Boulevard als die Champs Elysee und ebenso ein Arcul de Triumf. Die Wohnungen in der Stadt werden häufig von reichen Russen um stolze €500.000 erworben, was den Durchschnittsrumänen mit €400 Einkommen in kleine Löcher an den Stadtrand zwingt.

Nach diesen Eindrücken fuhren wir noch nach Adamclisis, wo das Denkmal Tropaeum Traiani steht als auch ins Kloster Peștera Sfântului Andrei in Ion Corvin, wo man in einer Grotte seine Wünsche deponieren kann.

Am letzten Tag nahmen wir den Bus und merkten auf halber Strecke, dass wir in die falsche Richtung fuhren, woraufhin wir den Fahrer baten, anzuhalten. Er ließ uns am Straßenrand aussteigen und nachdem wir keine Lust hatten auf den nächsten Bus zu warten, stoppten wir. Ein älterer zahnloser Herr mit Rostlaube nahm uns mit und sagte, dass es hier Banditen gäbe. Im Reiseführer wurde ebenfalls stark von Autostoppen abgeraten. Als er uns absetzte, hielt er fordernd seine Hand hin, aber anstatt ihm Geld zu geben, schüttelte ich jene und sagte zu meiner Freundin: „Schnell raus hier!“.

© Sylvia Eugenie Huber 2021-02-06

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