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Der Augenblick

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Der Augenblick | story.one

"Steh auf, wenn du am Boden bist." Als ich dieses Lied der TOTEN HOSEN das erste Mal hörte, war ich am Boden. Eine Zeit der Gewalt, des Alkoholmissbrauchs und der falschen Freunde lag gerade hinter mir und ich hatte keine Ahnung wie es weitergehen würde, ob es weitergehen würde.

2 Jahre später.

"Komm, ich möchte dir etwas zeigen.", sagte ich aufgeregt zu meiner Freundin. Sie blickte mich verschlafen an und fragte wie spät es sei. "7 Uhr." lächelte ich sie an und gab ihr einen Kuss. Draußen ging gerade die Sonne auf. Es war Herbst. Die Wiesen rund um unsere Pension waren nass vom Morgentau und die Berggipfel leuchteten gelb-orange. Es war still. Während ich die Schönheit der Berge bewunderte, kamen Gedanken an meine Vergangenheit hoch und ließen mich an meinem Vorhaben zweifeln. "Tue ich das Richtige? Bin ich so weit? Kann ich das?" Mitten in meinen Selbstzweifel spürte ich ein Lächeln. Ich drehte mich um. "Wollen wir?", fragte mich meine Freundin und riss mich aus meinen Gedanken.

Es hatte angefangen zu regnen. Eingehüllt in unsere Regenjacken gingen wir los. Hand in Hand durch den Regen, einem Platz entgegen, der für mich der schönste Ort der Welt war. "Wo gehen wir hin?", fragte sie. "In ein magisches Tal.", antwortete ich. Sie schaute mich etwas verwundert an. "Es ist ein Tal mit türkis-grünen Seen umgeben von Bergen." erklärte ich ihr. "Die Seen sind so klar, dass man die Pflanzen auf dem Boden sehen kann."

Obwohl es regnete und die Berge jetzt in Wolken gehüllte waren, erschien mir der Tag perfekt für mein Vorhaben. Je näher wir dem Tal kamen, desto aufgeregter wurde ich. Nach ungefähr 20 Minuten zu Fuß, vorbei an Bauernhöfen und Weiden, erreichten wir das Tal. Der Fluss am Eingang war, aufgrund der Regenfälle der letzten Tage, reißender geworden. Wind kam auf. "Wo sind wir hier?", fragte mich meine Freundin mit staunenden Augen, als wir vor dem kleineren der beiden türkisfarbenen Seen standen. "Das ist das Bluntautal oder auch die Bluntau genannt.", antwortete ich. "Eine Freundin von hier hat mir dieses Tal mal gezeigt." erklärte ich weiter. "Früher sind die Einheimischen hier zum Fischen hergekommen. Heute ist es ein Naturschutzgebiet und Teil eines Wanderweges rauf zum Stahlhaus auf 1700 m."

Wir gingen weiter hinein ins Tal und näherten uns einer kleinen Wiese, direkt an einem der Seen, in der Mitte eine Bank, auf der ich früher oft gesessen bin. Wir waren da. Mein Herz fing an zu rasen. "Was ist mit dir?", fragte mich meine Freundin. "Ist es wegen früher?" wollte sie wissen. 'Nein, es ist wegen der Zukunft.' dachte ich bei mir, sagte aber noch nichts.

Obwohl der Regen immer stärker wurde, war für mich der perfekte Moment gekommen. Wir waren allein. Ich holte tief Luft, schloss die Augen für einen kurzen Moment und fragte sie: "Willst du mich heiraten?" Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, bis sie antwortete.

"Ja.", sagte sie und genau in diesem Augenblick rissen die Wolken etwas auf und die Sonne schickte ein paar Sonnenstrahlen in die Bluntau.

© Sylvia Herzberg 2019-10-28

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