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Liebe im Supermarkt

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Liebe im Supermarkt | story.one

Unsere Blicke treffen sich. Zwischen den Regalen hindurch. Für einen kurzen Moment da. Den anderen wieder weg. So geht das schon seit einiger Zeit. Mein Einkaufszettel ist zur Nebensache geworden. Wahllos nehme ich Lebensmittel. Am Ende des Gangs wird es dann endlich so weit sein. Nur mehr ein paar Meter trennen uns. Die Blicke fixiert. Die Augen nur mehr füreinander. Die Welt um uns herum ausgeblendet. Sie koexistiert.

Mit einem Knall sind wir wieder in der Realität. Vor lauter Schauen haben wir das Regal mit dem Katzenfutter übersehen. Du von links und ich von rechts. Volle Kanne. Die Dosen purzeln herum. Rollen um die Wette. Kinder biegen sich vor Lachen, Erwachsene sehen uns kopfschüttelnd an. Meiner glüht. Und auf deinem Gesicht bildet sich das schönste Lächeln, das ich jemals gesehen habe. Ich habe es schon oft gesehen, aber heute ist es noch strahlender. Seit über fünf Jahren sind wir ein Paar, aber solche Momente gönnen wir uns immer wieder. Das mit dem Katzenfutter war nicht geplant, alles andere auch nicht. Manchmal fahren wir mit zwei Einkaufswägen, um schneller zu sein. Heute haben wir allerdings unseren Plan außer Augen verloren. Wir haben uns in unserer beider Augen verloren.

Um uns herum hat sich eine Menschentraube gebildet. Alle krabbeln am Boden herum. Fischen Katzenfutter aus den Süßigkeiten. Auch wir sind zu Suchenden geworden. „Na, die Liebe hat es euch wohl angetan“, lächelt uns eine ältere Dame an. „Ja, seit fünf Jahren“, antworte ich verträumt. Seit fünf Jahren gehen wir Seite an Seite. Seit fünf Jahren sind wir immer wieder für Blödsinn zu haben. Wir sind Partner im Herzen und Kinder im Alltag.

Beim Bezahlen an der Kassa sehen wir das Malheur. Wir haben lediglich Blödsinn und Ungesundes gekauft. Nur vereinzelt lugt etwas Gesundes hervor. Und ein paar Dosen Katzenfutter. „Komm, lass uns noch etwas Verrücktes machen“, habe ich eine Idee.

Als Vorspeise gibt es „Spargel al Forno“, als Nachspeise kiloweise Eis. Wir liegen auf dem Sofa, jede Bewegung ist eine Bewegung zu viel. Plötzlich wird mir unendlich schlecht. Vom Klo aus höre ich meinen Freund rufen, ich solle mich beeilen, auch ihm gehe es elend.

Den ganzen halben Abend und die Nacht sind das Badezimmer dauerbesetzt. „Liebe im Supermarkt kann ganz schön verdorben sein“, grinst mein Freund flehentlich. Dann verschwindet er im Bad. Unser Kater fand unseren Einkauf hingegen wundervoll. Die ein oder andere Dose mehr hat es in den Einkaufskorb geschafft. Er hat ordentlich geschlemmt, seit dem schläft er wie ein Baby. Wie ich ihn bloß beneide. Die nächste Welle kommt. Badezimmertausch.

© dieschreiberei 2021-05-04

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