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#whatislove

1. Liebe

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1. Liebe | story.one

Die erste Hauptrolle, die in unserer Geschichte zum Vorschein kommt, ist die Liebe. Sie ist vielleicht nicht immer direkt prÀsent, dennoch lauert sie stets hinter den Fassaden der Geschehnisse. Bereit in den Vordergrund zu treten, wenn es hart auf hart kommt. Alles, worauf die Liebe wartet, ist die Gelegenheit.

Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Geschichten mit der Liebe anfangen und auch im Einklang mit ihr enden. Dies ist auch in unserer der Fall. DafĂŒr kehren wir zurĂŒck in die 90er Jahre. Nach Georgien, einem Land, das schon viel Trauer, Leid und Verluste erleben musste und sich lang noch nicht von den Folgen des Zerfalls der Sowjetunion erholt hatte.

Dort fangen wir den Moment ein, an dem sich meine Eltern kennenlernten und die Liebe ihre Rolle vollkommen verkörperte. Meine Mutter war 14 Jahre jung als sie meinen 16-jÀhrigen Vater im Schulhaus zum ersten Mal begegneten und sich in ihn verliebte (oder wie man es in heutiger Jugendsprache sagt, einen Crush auf ihn hatte). Dieser Crush wurde erwidert und es kam dazu, dass mein Vater sie, fast jeden Tag, auf ihrem Schulweg begleitete. Sie verstanden sich gut und ihre Bindung wurde im Laufe der Jahre immer stÀrker.

Nun war es nur eine Frage der Zeit bis die Bestimmung ins Spiel kam. Auch wenn man nicht genau weiß, was dieses GefĂŒhl zu bedeuten hat, besonders in jungen Jahren, vertraut man trotzdem darauf, dass man vielleicht fĂŒreinander bestimmt ist. Man kann sich sonst niemand anderen vorstellen, der einem glĂŒcklich machen könnte. Davon war meine Mutter vollkommen ĂŒberzeugt. Mein Vater hingegen brauchte ein Weilchen.

Den ersten Herzschmerz erlitt meine Mama als mein Papa, nach seinem Abschluss, in die Hauptstadt Tiflis zog, um zu studieren. Es folgten drei Jahre Funkstille, bis er eines Tages unerwartet zurĂŒckkehrte und sie um ihre Hand bat. Heutzutage kommt mir das sehr banal vor, weshalb ich meinen Vater öfters fragte, was genau ihn damals dazu veranlasste, nach so einer langen Zeit, plötzlich meine Mutter zur Frau zu nehmen. Seine Antwort war immer wieder rĂ€tselhaft. Es gab wohl einen entscheidenden Moment, an dem seine kleine, erlebnisreiche Welt drohte zusammenzubrechen und er begriff, dass meine Mutter die Person ist, die auch an seiner Seite bleiben wĂŒrde, wenn er nichts hĂ€tte. Ihre Liebe zu ihm war so stark, dass sie ihn zurĂŒck in ihr Leben brachte. Ihre gemeinsame Bestimmung hatte also auch meinen Vater eingeholt.

© Tekusha 2021-08-14

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