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#freiheit#heimat#selbstfindung

12. Identität

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12. Identität | story.one

Nach all den Erlebnissen, fragte ich mich oft, ob man überhaupt dieselbe Person sein kann, die man vorher gewesen ist. Das Leben meiner Eltern hatte sich komplett auf den Kopf gestellt. Wie geht man mit so einer großen Veränderung um? Wie sehr verändert sich die Selbstwahrnehmung und wie stark wird die persönliche Identität beeinflusst?

Mit zwei Kulturen aufzuwachsen ist nicht leicht, besonders in meinen Teenagerjahren war ich mit einer Identitätskrise konfrontiere, die ich nicht zu lösen schaffte. Ich spürte den unterbewussten Druck mich für eines der beiden Kulturen entscheiden zu müssen. Bin ich mehr Georgierin oder Österreicherin? Wie muss ich mich verhalten um in beiden Kulturen aufgenommen, gesehen und gehört zu werden?

Bei all diesem persönlichen Druck verlor ich mich jedoch selbst und kam zu keiner klaren Erkenntnis. Erst als ich mir abgewöhnte mich für etwas anderes auszugeben als ich bin, merkte ich, dass ich nicht gezwungen war mich zu entscheiden.

Durch Medien, der Gesellschaft und Politik, wird vielen die Chance genommen, frei zu entscheiden welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen. Man wird gerne auf den Migrations- und Fluchthintergrund beschränkt und gelabelt. Es scheint einfacher zu sein jemanden nach der Herkunft zu beurteilen, als der Person zu helfen sich zu verwirklichen. Der Vergangenheit werden mehr Wichtigkeit und Aufmerksamkeit geschenkt als der Zukunft. Doch Menschen, wie ich, die ihr bisheriges Leben an einem Ort verbracht haben, hier geboren oder aufgewachsen sind, wollen nichts mehr als im Gesellschaftsprozess inkludiert, gesehen, gehört und anerkannt werden. Wir sind mehr als ein gesellschaftliches Label. Wir haben mehr zu bieten, als woher wir kommen.

In Sicherheit aufzuwachsen und eine sorgenlose Kindheit zu haben, sind Privilegien, die vielen unbewusst sind. Meinungsfreiheit, Rechtstaatlichkeit und Demokratie sind Werte die, wie sich herausstellt, außerhalb der europäischen Grenzen als auch vereinzelt innerhalb, stark an Bedeutung verlieren. Während wir in unserer „ach so perfekten Welt“, eigentlich für die kleinen Dingen im Leben dankbar sein sollten, verlieren wir uns im Materialismus und Wunschdenken. Und suchen Glückseligkeit in Dingen, die uns eigentlich nur eine temporäre Befriedigung beschaffen.

Auf der Suche nach unserer wahren Identität, finden wir schlussendlich auch Heimat in uns selbst, die von Liebe, Bestimmung, Verletzlichkeit, Trauer, Trennung, Akzeptanz, Erfolg, Freundschaft, Schicksal und Glaube geprägt ist. Wir sind es gewohnt uns an materiellen Dingen, Grund und Boden, Gewohnheiten und Komfort festzuhalten. Dabei vergessen wir oft, dass die oben genannten Emotionen, Leidenschaften, Dankbarkeit und Menschlichkeit, für die Entwicklung eines Heimatgefühls entscheidend sind.

© Tekusha 2021-08-14

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