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#mut#unabhängikgeit

6. Freiheit

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6. Freiheit | story.one

Mein Vater wurde an der Grenze gefasst. Er erzählte mir, dass sich die Grenzwächter lautstark über ihn lustig machten, ihn mit Deo vollsprühten und erniedrigten. Auch wenn er die Sprache nicht verstand, erkannte er, an ihren Gesichtsausdrücken, dass sie ihn beschimpften. In ihren Augen war er wertlos, einer unter vielen die illegale ins Land wollten.

Da er Asyl beantragte, steckte man ihn gleich in die Haft, wo er bis zu einer ersten Entscheidung verbleiben sollte. Meinem Vater war bewusst, dass er von dort so leicht nicht wieder rauskommen würde. Ein politisch Verfolgter schien hier niemanden zu interessieren. Wie gesagt, er war ein Flüchtling wie viele andere auch.

Es vergingen ein paar Wochen ohne jegliche Neuigkeiten. Mein Papa wusste, dass ihm nichts anderes übrigblieb, als zu handeln. Schon in Georgien hatte er sich versprochen, um seine Freiheit zu kämpfen, koste es was es wolle.

Er entschied sich in Hungerstreik zutreten. Eine Taktik, von der ihm einmal erzählt worden war. Für zwei ganze Woche, verweigerte er jede Mahlzeit, die man ihm zuteilte. Sein Wille war stark genug, auch wenn es nicht leicht war. Das einzig, was er zu sich nahm war, Tee mit drei Löffel Zucker. Er dachte sich nichts dabei, bis er eines Tages plötzlich in Ohnmacht fiel. Sein Zuckerspiegel war so hoch, dass er kurz davor war Diabetes zu kriegen. Gleich darauf, entließ man ihn. Um mediales Aufsehen zu vermeiden, schickte man kranken Menschen lieber aus der Haft fort. Damit verloren die Verantwortlichen jegliche Haftung für den Betroffenen. Und wenn ihm kurz darauf was passierte, lag dies nicht mehr in ihrer Schuld.

Eine starke Willenskraft spielt für die Freiheit eine bedeutsame Rolle. Jeder der sich dazu entscheidet seine persönliche Freiheit voranzustellen, ist bereit Niederlagen und Verluste einzustecken. Die Überzeugung leitet einem, dass der harte Weg sich auszahlen wird. Obwohl Freiheit ein komplexes Wort darstellt, scheint sie individuell einfach definierbar zu sein. Jede Person muss für sich selbst entscheiden, was Freiheit für sie bedeutet, welche Aspekte für ein freies Leben bedeutend sind und was man beisteuern kann, um auch anderen in der Verwirklichung ihrer Freiheiten zu verhelfen. Es ist einfach viele Augenblicke im Leben hinzunehmen, die Herausforderung liegt darin, Augenblicke wahrzunehmen, in denen man handeln muss.

Mein Vater hatte es geschafft. Er war an seinem Ziel angekommen. Jetzt war es für ihn an der Zeit nach vorne zublicken und die Vergangenheit ruhen zu lassen. Seine Aufgabe bestand nun darin eine Bleibe finden um mich und meine Mutter zu sich zu holen.

© Tekusha 2021-08-14

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