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#mut#angst#hoffnung

7. Angst

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7. Angst | story.one

Meine Mama war sich in der Zwischenzeit nicht im Klarem, welche Dinge mein Vater erlebt hatte. Sie ging jedoch vom Schlimmsten aus, denn Unsicherheit und Ungewissen waren, in den vergangenen sechs Monaten, pr├Ąsenter denn je. Als der erste Anruf von Papa kam, sp├╝rte sie wie sich pure Erleichterung in ihrem K├Ârper ausbreitete. F├╝r einen kurzen Augenblick holte sich ihre Seele die Entspannung und Ruhe zur├╝ck, nach der sie sich so lang gesehnt hatte. Doch sie konnte erst vollkommen ruhen, wenn die Familie wieder vereint war. Um das zu verwirklichen, plante sie alles f├╝r unsere Abreise. Sie wollte keine Zeit mehr in dieser Trennung verschwenden.

Meine Gro├čeltern begleiteten uns am Tag des Abflugs und ├╝bergaben meiner Mutter eine Geldsumme ihrer Ersparnisse. Es war kein Verm├Âgen, dennoch genug, um unsere Familie eine Weile ├╝ber Wasser zu halten. Meine Mutter verabschiedete sich von ihren geliebten Eltern und machte sich, mit mir im Arm auf einer Seite und einem kleinen Rollkoffer auf der andern, auf dem Weg zum Check-in. In der Schlange wurde sie jedoch von drei kr├Ąftigen M├Ąnnern abgefangen, die sie darum baten ihnen, ohne Aufstand, zu folgen. Pl├Âtzliche Panik ├╝berkam meine Mutter, doch sie lie├č es sich, so gut es ging, nicht anmerken. Sie folgte ihnen in ein abgelegenes B├╝ro. Das Zimmer war finster. Bis auf einen Stuhl und einem Schreibtisch, die von einem L├Ąmpchen erhellt wurde, war sonst nichts zu erkennen. Ein typischer Verh├Ârraum. Meiner Mama war klar, was nun auf sie zukommen w├╝rde. Daf├╝r musste sie standhaft bleiben. Sie hielt mich eng an sich gedr├╝ckt, meinen Kopf hatte ich in ihren Nacken gelegt, um die M├Ąnner auszublenden, die mir Angst machten. Damals war ich 2 Jahre alt. Sie schaukelte mich sanft und fl├╝sterte, dass alles gut werden w├╝rde.

Nach einer halben Stunde, die sich anf├╝hlte wie eine Ewigkeit, betrat ein gro├čer kr├Ąftiger Mann das Zimmer. Er richtete die Taschenlampe auf ihr Gesicht und begann in einem strengen, aber ruhigen Ton zu fragen, wo und zu wem meine Mutter genau hinreisen wolle. Sie antwortete, dass sie in Wien ihre Tante besuchen wolle und das diese am Flughafen dort auf sie wartete. Der Mann lachte zynisch auf und schlug pl├Âtzlich mit der Faust auf den Tisch, was mich zu weinen brachte. Er sagte, ob sie wisse, dass das, was sie vorhatte, eine Straftat sei. Doch meine Mutter wiederholte nur, dass sie nicht wisse, wovon er spreche und sie wirklich auf dem Weg zu ihrer Tante sei. Sie versicherte ihm, dass sie nicht zu meinem Vater wollte, der sich laut ihnen angeblich noch in Tschechien aufhielt. Er schrie sie an, wen sie hier f├╝r dumm verkaufen wollte. Von der Aggressivit├Ąt und dem Geschreie des Mannes, fing ich nur noch lauter an zu weinen. W├Ąhrend meine Mutter versuchte mich beruhigen, unterdr├╝ckte sie selbst ihre Tr├Ąnen und gab dem Mann klare Antworten. Sie f├╝hlte sich verloren und langsam verschwand auch ihre Hoffnung, dass man sie gehen lassen w├╝rde.

┬ę Tekusha 2021-08-14

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