skip to main content

#whatislove

Nicht mehr. Nicht weniger.

  • 557
Nicht mehr. Nicht weniger. | story.one

7 Monate 32 Wochen und 2 Tage sind nun vergangen, denkt sie sich, während sie ihren Kalender überblättert. Nach wie vor hat sie das Geschehene klar vor Augen...

Es war später Nachmittag als sie auf ihren Handybildschirm blickte, seine Nachricht las und für einige Sekunden erstarrte. Ihr Herz musste wohl diese Zeit beansprucht haben um das Gelesenen zu überdenken, um ja nicht der Qual zum Opfer zu fallen, um eventuell ein verstecktes Missverständnis aufzudecken. Der Moment reichte nicht aus. Es zerbrach in tausend Stücke. Die Beziehung war beendet...

An der Versuchung, die Erinnerung so schnell wie möglich abzuschütteln, scheitert sie. Wie töricht von ihr, nach all der vergangenen Zeit zu denken, dass sie den Gefühlschaos vollkommen bezwungen habe und der Herzschmerz endgültig vorbei gezogen sei. Die Überzeugung, dass die Schmerzen jedoch einigermaßen erträglicher sind, beruhigt sie. Die Wunde in ihrem Herzen verheilt, langsam, aber doch. Es fasziniert sie immer wieder aufs Neue, wie viel das Herz auf sich nehmen kann. Schon in jungen Jahren hatte sie sich vorgenommen stets den Verstand in Liebesfragen vorzuziehen, aber es war ihr bis heute nie gelungen. Wird man die erste Liebe jemals vergessen können, fragt sie sich auch diesmal. Der Mensch samt Erinnerungen verschwindet nicht einfach von selbst. Man hört nie gänzlich auf jemanden zu lieben, bis sich das Herz entscheidet los zulassen.

In diesen 7 Monaten war viel passiert, es hatte sich einiges in ihrem Leben verändert. Veränderung zuzulassen war das erste, das sie lernen musste. Der Lauf des Lebens steht nämlich niemals still, für niemanden. Reue spürte sie in dieser Zeit kaum, im Gegenteil. Sie schmückte den Kummer mit schönen Erinnerungen und gewann Ablenkung im Nachdenken über die wahre Liebe. Ein heikles Thema. Die Trennung hat sie aufs weitere überzeugt, dass die Liebe nicht stur in der Gegenwart des anderen zu finden ist. Damals war sie abhängig gewesen ihm gegenüber und ständig auf der Suche nach Validation. Nicht alles im Leben ist permanent und das ist auch gut so. Manche Menschen sind einfach nicht für einen bestimmt und manche kreuzen den Weg NUR um einen die Wichtigkeit der Selbstliebe zu lehren. Und Selbstliebe setzt den Start in den Heilungsprozess.

Zu Lieben heißt auch zu verzeihen, nicht nur anderen, sondern auch sich selbst. Sie war damals nicht sie selbst. Sie war erst auf der Suche nach sich selbst...

Bevor sie den Gedanken verstaut, flüstert sie noch vor sich hin:

“Vielleicht sollten wir uns gar nicht verlieben können, solang wir nicht wir selbst sind. Nicht bereit sind offen und verletzlich zu sein. Ist das denn nicht die Schönheit an der Sache? Nackt demjenige gegenüber zu stehen, den man liebt. Nicht körperlich, sondern mental, emotional und spirituell. Ehrlich zu sein, egal wie beschwerlich es wird? Darum geht’s doch. Bei der ganzen Liebessache. Sie handelt von Aufrichtigkeit. Handelt von Vertrauen. Nicht mehr. Nicht weniger.“

© Tekusha 2020-04-13

whatislove

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.