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#wandern#bergerlebnis#storyone

„Nur für Geübte!“

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„Nur für Geübte!“ | story.one

Wieder einmal war die Wettervorhersage für das bevorstehende Septemberwochenende sehr gut. Und darum beschloss ich, nochmals in die Berge zu fahren. Die Ammergauer Alpen waren für mich noch unentdecktes Land, und dies wollte ich ändern. Von Halblech bei Füssen aus ging es Richtung Kenzenhütte. Am Anfang war dies ein ziemlicher „Hatscher“ durch Wald einen Fahrweg entlang. Aber nach vielleicht einer halben Stunde hielt neben mir der sogenannte Kenzenbus.

Ich hatte gar nicht gewusst, dass es diesen Hüttenzubringer gibt. Aber in dem Fahrzeug schien noch Platz zu sein, denn der Fahrer kurbelte das Fenster herunter und fragte: “Wüllst mitfoharn?“

Dieses Angebot kam mir sehr entgegen, und so stieg ich ein. Die Fahrt ging noch ein Stückchen durch den Wald. Dann kamen wir aus dem Wald heraus und am Wankerfleck vorbei. Dies ist eine Bergwiese m it einer Kapelle und einer herrlichen Bergumrahmung. Von hier aus war auch zum ersten Mal die Hochplatte, mein Ziel für den nächsten Tag, zu sehen.

Nach weiteren Fahrminuten war dann die schön gelegene privat bewirtschaftete Kenzenhütte erreicht. Nach dem Einchecken schmeckten das Weißbier und das Abendessen auf der Terrasse sehr gut; denn es war für September noch recht warm.

Am nächsten Morgen ging es früh aus den Federn. Steil führte der Weg vorerst noch durch Wald nach oben. Und da wo die Bäume lichter wurden, hatte ich eine plötzliche Begegnung. Direkt vor mir sprang nämlich mit einem Schreckensruf eine Gämse auf. Sie suchte schleunigst das Weite. Ich vermute, dass ich gegen den Wind gekommen war und sie mich deshalb nicht hatte wittern können.

Weiter ging es aus dem Wald hinaus über alpine Matten in die Felsenregion. Und bald zweigte der Anstieg zur Hochplatte ab. „Nur für Geübte“ stand da zu lesen. Solche Angaben haben mich schon immer besonders herausgefordert. Und so war es auch dieses Mal. Durch meine langjährigen Erfahrungen in alpinem Gelände wusste ich, wie man sich auf ausgesetzten Berggraten oder auf schmalen Felsbändern richtig verhält. Und in den Kalkalpen kommt da oft auch noch der brüchige Fels dazu. Dies hielt sich jedoch an der Hochplatte in Grenzen.

Der Weg wurde aber trotzdem immer anspruchsvoller. An besonders ausgesetzten Stellen waren Drahtseilsicherungen angebracht. So ging es immer höher. Ein Fehltritt durfte nicht vorkommen. Aber das sind genau die Momente, die mein bergsteigerisches Selbstbewusstsein heben. Ich erlebe so auch eine ganz besondere Selbstbestätigung. Und die herrliche Landschaft gibt es noch gratis obendrauf.

Für all dies ist in meinen Augen die Hochplatte (2082m) ein Musterbeispiel. Oben war ich dann allein mit meiner Siegesfreude, allein mit der herrlichen Landschaft; solange, bis ein paar freche Bergdohlen kamen. Sie dachten, dass von meinem Vesper etwas für sie abfällt.

Für den Abstieg nahm ich dann einen anderen Weg, sodass an der Kenzenhütte der Kreis geschlossen war. Dort trank ich noch zwei Weißbiere. Und dann ging es nach Hause.

© Thom 2021-04-08

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