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Havasupai – Volk des blaugrünen Wassers

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Havasupai – Volk des blaugrünen Wassers | story.one

„You need a plan B. I will take care, don't worry“! Das waren die Worte von Camille, meiner guten Bekannten aus Flagstaff, Arizona.Ich war aber ein wenig beunruhigt. Nicht nur, weil Camille gerade in den Niederlanden verweilte, also weit weg von Arizona war, sondern weil ich in der momentanen Situation nicht viele Alternativen zu dem geplanten Abenteuerurlaub sah. Ein Teil davon sollte nämlich die Erfüllung eines langgehegten Wunsches sein, den Grand Canyon in einer mehrtägigen Wanderung von Nord nach Süd zu durchqueren. Grund dafür war der „Shutdown“ in den USA. Die Stilllegung der Bundesverwaltung aufgrund eines fehlenden Budgets.

Und so kam es, dass wir unseren 4WD durch die Weiten und Viehweiden des Kaibab National Forest steuerten, auf das Navi vertrauend, welches uns nichtwissend bei der Eingabe, über Stock und Stein, ausgetretenen Rinderpfaden die kürzeste Route in das große unbekannte Ersatzprogramm anzeigte. Fehlende Wege und verschlossene Gattertore versetzen uns dabei kurzfristig in Angst und Schrecken, doch letztendlich gelangten wir zum Hualapai Hilltop im Havasupai Reservat. Dem Ausgangspunkt unserer 3-tägigen „don't worry, I will take care“ Ersatzwanderung für das entgangene Grand Canyon Abenteuer.

Nichtsahnend wanderten wir los, hinunter durch den Havasu Canyon, 15 kg Gepäck am Rücken. Bald schon ragten die rotbraunen Sandsteinwände hoch in den Himmel und ließen das ausgetrocknete Flussbett immer enger erscheinen. Die wunderbaren, sich abwechselnden gelben, braunen und rötlichen, teilweise marmorierten, Sandsteinformen wirkten beeindruckend und begleiteten uns bis zum Indianerdorf. Das Dorf verlassend, wurden die Schritte schon schwer. Die Pfade verliefen teilweise durch tiefen Sand und machten das Gehen nicht einfacher. Die Hitze tat ihr Übriges dazu.

„Noch 0,5 Meilen“, zeigte ein Schild vor einem sich abzeichnenden Abstieg. Leises Rauschen war zu hören, das stetig lauter wurde und sich schließlich in ein Dröhnen verwandelte. Wie aus dem Nichts tauchte rechtsseits ein Wasserfall auf. Imposant stürzte er sich über gute 30 Meter in die Tiefe, um sich dann in einem leuchtenden weiß blau erscheinenden Pool zu sammeln. Das hereinfallende Licht ließ das Wasser darin in seinen verschiedenen Farben erscheinen. Milchig weiß bis zartblau an den tieferen Passagen, grünlich weiß oder glasklar an den seichteren Stellen, hervorgerufen durch den Kalkstein. Über Sinterterrassen suchte sich das Wasser dann seinen Weg Richtung Colorado-Fluss. Nichtsahnend was uns in den nächsten Tagen auf diesem Weg noch alles an natürlicher Schönheit erwarten würde, errichteten wir unsere Zelte. Unser Plan B hat uns in ein Paradies geführt, um uns unvergessliche Tage zu bereiten. So unverwechselbar schön, dass ich die darauffolgenden Jahre noch dreimal diese Wanderung auf mich genommen habe. „Home is where the heart is“. Ich verstehe diesen Havasupai Ausspruch und sehe ihn mit anderen Augen.

© Thomas Obruca 2021-02-26

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