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Zwischen Sandkastenstreit und Windelchaos…

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Zwischen Sandkastenstreit und Windelchaos… | story.one

Noch 10 Schritte bis zur Tür. Ich zähle mit, gehe ganz langsam. 10, 9, 8, tief einatmen, 7, 6, 5, ausatmen, 4, 3, 2, den letzten Moment der Ruhe genießen und 1. Ich klingel, meine Kollegin öffnet die Tür und ich bin drin. Ich bahne meinen Weg durch den Flur zwischen Hausschuhen, Rucksäcken und Kuscheltieren hindurch. LadyBug und Ninjago gehören zu meinem Start in den Tag. Was ist nur aus Biene Maja und den Teletubbies geworden?

Aaaaahh, Angriff von links. Drei kleine Wesen stürmen aus der Puppenecke heraus, eins greift um mein linkes Bein, eins um mein rechtes, eins versucht springend mein Gesicht zu erreichen. Ich wackele hin und her, drohe mein Gleichgewicht zu verlieren und halte mich im letzen Moment noch an Tims Garderobenfach fest.

Igitt … ein benutztes Taschentuch. Eine Hand kontaminiert, in der anderen meinen Korb, begrüße ich die Kinder und lasse mir nichts anmerken. Ein paar Schritte noch, dann habe ich es geschafft. Ich ziehe meine Jacke aus, stelle meinen Korb ins Regal und koche mir einen Tee, während ich mich mit Niklas über sein Fußballtraining am Vortag unterhalte und Lilli die Schuhe ausziehe.

“Ich bin feeeeertig!"

Ich unterbreche mein Gespräch mit Niklas, lasse meinen Tee in der Küche stehen und laufe zur Toilette, um Jan zu helfen. Neben mir wird der Klodeckel hochgeklappt und gegen den Spülkasten gehauen. Ein Kind zieht sich die Hose runter und dann “Oh nein…”

Ich schließe Jans Hosenknopf und sehe nach. Tina sitzt auf der Toilette, ihre Hose ist genauso nass, wie der Boden um sie herum. Okay ganz ruhig bleiben. Ich hole Handschuhe, eine Tüte und Wechselwäsche und fange an, sie umzuziehen.Währenddessen schlichte ich diverse Streitigkeiten zwischen zwei Kindern, beantworte sämtliche Fragen 10 mal und erkläre Brettspiele.

Rummms, Knall, Schrei. Erik ist im Flur zu schnell gelaufen und hat Tamara umgeworfen. Jetzt liegen beide übereinanderliegend, schreiend auf dem Fußboden. Ich ziehe meine Handschuhe aus, schicke Tina Händewaschen und hole zwei Kühlpacks. Im Flur sitzend, auf jedem Bein ein weinendes Kind, Kühlpacks und Taschentücher festhaltend, weise ich die anderen Kinder darauf hin, die erste Toilette nicht zu benutzen.

“Warum nicht?” “Weil dort Pipi auf dem Boden ist.” “Warum?” “Da ist ein kleines Unglück passiert.” “Ich will aber auf die Toilette.” “Dann geh bitte auf die andere.” “Nein, die andere mag ich nicht.” “Ich mache den Boden gleich sauber, aber Erik und Tamara haben sich wehgetan.” “Aaaaaaaarrrrrrgh!!!” David schmeißt sich auf den Boden, ballt seine Hände zu Fäusten und boxt um sich. Frustrationsgrenzen sind nunmal unterschiedlich. Als Erik und Tamara sich beruhigen und auch David aufgestanden ist und missmutig die andere Toilette benutzt, fange ich endlich an zu putzen.

Noch 7 Stunden, dann werde ich die Türe mit Sand in den Schuhen, Joghurt auf der Hose, Suppe auf dem T-Shirt, Glitzer und einem Lächeln im Gesicht hinter mir schließen, denn ich habe einen wunderbaren, wertvollen Job.

© Vanessa Jansen 2021-09-15

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