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Kalter Stahl- die Eunuchenmacherin

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Kalter Stahl- die Eunuchenmacherin | story.one

Meine Firma unterstützte gerne die Polizei, indem deren Sommerfeste von uns mit Speis und Trank beliefert wurden. Zu Weihnachten erhielt jeder Beamte Kekse, eine Flasche Wein und ein personalisiertes Kuvert. Dies wiederum bewirkte gewisse Vorteile. Unsere Chefs waren notorische Falschparker wie zig andere auch, aber sie hatten niemals einen Liebesbrief hinter den Scheibenwischern klemmen. Zudem erhielten wir alle ein Polizei-Pickerl für die Windschutzscheibe, so konnten auch wir relativ frei parken. Allerdings bei den Polizeiparkplätzen wurden sie etwas unflexibel, „Schleich di von meinem Parkplatz“, hallte es am Telefon. Selbst bei einem Planquadrat wurden wir durchgewunken.

Eines Tages sammelten unsere Freunde wieder einmal für einen guten Zweck, ich fragte den Kommandanten, ob es schwer wäre zu schießen. „Wie meinst du das?“ „Ich mein den Abzug!“ „Nein, das geht ganz leicht. Magst du es einmal versuchen?“ „Wie, jetzt?“ Er lacht, „Nein, aber wenn du willst, nehme ich dich am Wochenende auf den Schießstand mit!“ „Super, perfekt! Wann soll ich wo sein?“ „Ich hole dich ab, Samstag um 10 Uhr.“ „Dann schreibe ich dir meine Adresse auf!“ „Brauchst nicht, die kenne ich!“ Das verwirrte mich etwas, aber klar er saß faktisch an der Quelle.

Pünktlich abgeholt und dort angekommen, bekam ich erst eine Schutzausrüstung, bevor ich den Schießstand betreten durfte. Er nahm die Vollautomatik, zeigte mir den Ladevorgang und warnte mich. „Setze den Ohrenschutz auf, dann nimm die Waffe und zeige auf den Papp-Kameraden. Da drückst du den Abzug- egal was hinter oder neben dir passiert, du drehst dich nicht um. Alles klar?“ „Wie fest muss ich drücken?“ „Es ist leicht, willst du mit der rechten oder mit der linken Hand schießen?“ „Ich versuche es mal mit der Rechten!“ „Gut, Ziel ist es, den Gegner bewegungsunfähig zu machen, also Kopf und Herz sollen nicht getroffen werden.“ Er legt mir die Waffe in die Hand, korrigiert noch die Position des Daumens, justiert vorsorglich noch mal den Hörschutz und „peng.“ Ich erschrak fürchterlich, der Rückstoß war völlig unerwartet. „Stütze mit der linken Hand die Rechte ab“, meinte er und zeigte mir den Griff. Ich feuerte das Magazin aus, der Papp-Kamerad wurde zu uns gefahren, seine Kollegen strömten herbei und schauten erst den Getroffenen und dann mich an. Ich hatte den Kameraden restlos entmannt, 2 der Einschüsse hatten den Bauch getroffen. „Vielleicht versuchst du es mit der anderen Hand“, kam es von allen Seiten. Also, nächstes Magazin und Feuer frei. Wieder wurde der „Schwerverletzte“ herangefahren. Was soll ich sagen, wäre er echt gewesen, hätte er ein echtes Problem gehabt, es fehlten alle Finger. Die Polizisten waren sich einig, dass ich als gemeingefährlich einzustufen war und mir war klar, dass dies neumodische Zeug, im Gegensatz zu Pfeil und Bogen, mit mir keine Symbiose bildete.

© Vergissmeinnicht 2021-01-22

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