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#Afrika#trauer#tod

Blitz. Feuer. Tod.

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Blitz. Feuer. Tod. | story.one

“Brrrrr, brrrr”, das Ringen meines Handys reißt mich aus dem Schlaf. Papa Fabien ruft an. “Bitte lass alles gut sein”, hoffe ich insgeheim, denn Anrufe in der Nacht von Papa Fabien sind meistens kein gutes Zeichen. Ich hebe ab und nach nur wenigen Sekunden bricht eine Welt für mich zusammen. Ich kann nicht mehr atmen, nicht sprechen, schreie aus Verzweiflung, Tränen strömen über mein Gesicht! Selbst jetzt noch kommen mir die Tränen, wenn ich daran zurückdenke.

Ich befand mich gerade in Österreich in meinem kuschelig warmen Bett. Obwohl es Februar war und draußen eisig kalt, fror ich nicht, denn hier sind wir, meiner Meinung nach, mehr als gesegnet. Dach über dem Kopf, genug zu essen, warme Dusche, feines Bett und noch so viel mehr! Währenddessen fand am anderen Ende der Welt ein Horrorszenario statt: Moyise und Shako sind tot! Von einem Moment auf den anderen waren sie weg! Gerade gestern Nachmittag hatte ich mit Papa Fabien telefoniert, Moyise ging vorbei und grüßte mich über das Telefon. Jetzt war er weg! Ich kann es immer noch nicht fassen! Moyise war eines meiner Schulkinder mit etwa sieben Jahren und Shako eines meiner Kindergartenkinder mit etwa vier Jahren. (im Kongo sind die meisten Geburtsdaten der Kinder unbekannt) Auch ihr etwa 17-jähriger Cousin starb im selben Moment, wie die beiden!

Dass die Demokratische Republik Kongo das blitzreichste Land unseres Planeten ist, wusste ich bei meinen ersten Reisen dorthin noch nicht. Erst als ich nach fast jedem starken Gewitter bemerkte, dass irgendwo im Dorf eine Person vom Blitz getroffen wurde, fing ich an mich mehr damit zu beschäftigen. Aber nie traf es jemanden, den ich persönlich kannte. In dieser Nacht war es so weit: Moyise, Shako und ihr Cousin schliefen gemeinsam auf ihrem Bambusbett in ihrer Lehmhütte. Starker Regen zog auf und damit auch ein heftiges Gewitter. Und wenn ich “heftig” schreibe, dann wirklich “heftig”. Gewitter im Kongo kann man nicht mit Gewitter in Österreich vergleichen. Diese Wucht, wenn der Blitz einschlägt und du den Boden beben spürst; dieser Knall, wie wenn ein ganzes Hochhaus explodiert; und dieses helle Licht, das die Nacht kurz zum Tag werden lässt.

In dieser Nacht traf ein Schlag die Hütte, in der die drei Jungs schliefen. Sofort fing das Strohdach an zu brennen. Auch die Großmutter und die Mutter von Moyise und Shako, die selbst eine schwere körperliche und geistige Behinderung hat, befanden sich in der Hütte, schliefen aber in einem anderen Raum. Als sie bemerkten was geschah und ihr Daheim zu brennen begann, half die Großmutter der Mutter nach draußen zu gehen. Als sie zurücklief, um die Kinder zu wecken, wachten die Kinder einfach nicht mehr auf, und waren steif. Das Feuer schlug um sich und Mama Dita (Großmutter) musste raus, um nicht selbst zu sterben. Alle drei Kinder waren vom Blitz getroffen und ihre Körper verbrannten im Feuer.

Kurze Zeit später wurden drei weitere Kinder (Drillinge) in Tshumbe vom Blitz erfasst und starben.

© WaaleWaana 2021-08-03

Schattenseiten

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