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#lebensaufgabe#berufung#ernÀhrung

Du schaffst das, kleine Marie!

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Du schaffst das, kleine Marie! | story.one

Abermals durfte ich bei einer Geburt in Tshumbe dabei sein! Die Geburtenstation von Mama Fonu besteht ja nur aus einer kleinen LehmhĂŒtte in der sich ein paar winzige Zimmer befinden. Ein Bett fĂŒr die gebĂ€renden MĂŒtter stellt sich aus Bambus und einer Bananenblattmatte zusammen. Der Kreissaal ist ein etwa fĂŒnf Quadratmeter großer Raum, in der sich eine wackelige Holzpritsche, ein kleiner Tisch, eine Babywaage, eine SchĂŒssel mit Wasser sowie ein StĂŒck Seife befindet.

Wieder bin ich komplett erstaunt, wie stark die Frauen hier sind. Unter solchen Bedingungen zu gebĂ€ren ist nicht einfach und jedes Mal ist es ein Bangen, ob alles gut geht. Aber bei dieser Geburt kam das Baby schnell und sie verlief ohne Komplikationen. Es war wieder einmal ein wunderbares Erlebnis, das ich immer in Erinnerung behalten wĂŒrde.

Nach der Geburt besuchte ich noch die restlichen Frauen in der Geburtenstation. Setze mich zu ihnen und quatschte ein bisschen mit ihnen. Dann erblickte ich eine junge Frau mit einem gesunden Neugeborenen, jedoch neben ihr ein komplett abgemagertes Kind. Die Knochen standen deutlich von ihrem Körper hervor, beim kleinen Gesichtchen konnte man direkt die SchĂ€delumrisse erkennen, die Haare waren ihr ausgefallen und die Haut an den Armen war komplett verschrumpelt. Sofort sprach ich mit der Mutter, um mehr Informationen ĂŒber den Zustand der Kleinen zu erfahren. Marie war etwa eineinhalb Jahre alt und die Familie hatte einfach nichts zu essen. Dazu kam, dass die Mutter ungewollt frĂŒh noch einmal schwanger wurde und so Marie nicht weiter stillen konnte. Mit der Mutter machte ich aus, dass Marie gleich morgen frĂŒh in unsere Krankenstation kommen sollte.

Am nĂ€chsten Tag kam der Vater mit Marie, der einen unglaublich liebenswĂŒrdigen Umgang mit seiner Tochter pflegte. In unserer Krankenstation kĂŒmmern wir uns vor allem um Kinder und sind inzwischen sehr gut mit der Versorgung und dem Aufbau von unterernĂ€hrten oder mangelernĂ€hrten Kindern und Babies vertraut. Zum einen gilt es das Kind nach möglichen Krankheiten zu untersuchen und diese zu behandeln und zum anderen der Nahrungsaufbau.

Marie bekam von nun an tĂ€glich einen Spezialbrei, den unsere Köchinnen aus lokal angebauten Lebensmitteln zaubern, außerdem erhielt sie von uns noch Babymilch, damit sie rundum gestĂ€rkt wurde. Die Eltern wurden aufgeklĂ€rt und grĂŒndlich eingeschult, damit auch sie den Brei abends an Marie geben konnten. Zu Beginn war es schwierig, aber schon nach einer Woche bemerkten wir kleine Fortschritte. Marie kam weiterhin tĂ€glich zu uns und nach ein paar Monaten war sie nicht mehr wiederzuerkennen. Es war, als stĂŒnde ein anderes Kind vor uns und noch heute freuen wir uns jedes Mal riesig, wenn wir Marie gesund und munter sehen.

Auch wenn das Leben hier im Kongo oft noch so schwer ist, genau deswegen bin ich hier und es sind solche Momente, die mir jedes Mal wieder zeigen, wie wichtig es ist gemeinsam mit den Menschen hier an der Weiterentwicklung zu arbeiten!

© WaaleWaana 2021-08-15

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