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#Afrika#baby#großmutter

Ich bin das Kind von Mama Manuela!

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Ich bin das Kind von Mama Manuela! | story.one

„Shako, Shako, von wem bist du das Kind?“, fragte die Großmutter das etwa fünf Jahre alte Mädchen. „Ich bin das Kind von Mama Manuela“, antwortete Shako mit einem Grinsen über beide Ohren.

Shako wurde im Jahr 2015 von ihrer Großmutter zu uns gebracht. Damals war sie nur wenige Wochen alt, aber schon völlig abgemagert. Ihre Mutter starb bei der Geburt und hinterließ Zwillinge: Shako und Omba. Omba überlebte es nicht lange und starb wenige Tage nach ihrer Mutter. Nur Shako war stark genug und hielt durch.

Die Großmutter gab alles, um das kleine Mädchen so gut es geht zu versorgen. Doch sie hatte selbst nichts zu essen und bestand nur mehr aus Haut und Knochen. Als Shako dazu noch krank wurde, war es für sie unmöglich eine halbwegs gute medizinische Behandlung zu erhalten. Deshalb kaufte sie eine Medikamentenampulle, die ihr empfohlen wurde und bat einen Nachbarn, der anscheinend Krankenpfleger war, um ihr diese zu injizieren. Nach der Injektion entstand an dieser Stelle jedoch ein Abszess und mit der Zeit entwickelte sich daraus ein tiefes Loch am Gesäß des Mädchens.

In diesem Zustand wurde Shako zu uns gebracht und von dem Zeitpunkt an behandelten wir sie fürsorglich in unserer Krankenstation und versorgten sie mit wertvoller Babynahrung. Schon nach kürzester Zeit baute sie auf und wurde zu einem gesunden und gut genährten Mädchen. Mit der Zeit kam die Großmutter immer seltener und schaute auch nur ab und zu vorbei, um eine Auffrischung ihrer Aufklärung zu erhalten.

Im Jahr 2019 hatten wir in Tshumbe dann ein paar Fälle von Kinderlähmung. Ja, Polio, ist keine ausgestorbene Krankheit – bei uns im Kongo existiert sie nach wie vor! Obwohl nur wenige Kinder davon betroffen waren, mussten wir acht geben auf all unsere Schul- und Kindergartenkinder, sowie auch generell auf alle Erwachsene. Damals erfuhr ich nicht, wer in Tshumbe Polio hatte, aber besonders sprach sie ein Fall eines kleinen Mädchens herum und ich hoffte nur, dass sie es überstehen würde.

Als ich dann im Frühjahr 2020 wieder nach Tshumbe kam, erfuhr ich, dass Shako das Mädchen war, das damals Polio hatte. Ich war total erschüttert und traurig über diese Nachricht und versuchte lange die Großmutter und Shako zu erreichen, die in der Zwischenzeit in ein kleineres Dorf gezogen waren. Erst nach einiger Zeit kamen sie zurück. Shako war zu einem aufgeweckten, hübschen jungen Mädchen herangewachsen, doch aus dem gesunden Baby wurde durch die Kinderlähmung ein Mädchen, das nie mehr gehen würde. Shako kann ihre Beine nicht bewegen und muss überall von ihrer Großmutter, die selbst ganz geschwächt ist, getragen werden. Es war und ist für mich besonders traurig, da wir uns so sehr um Shako gekümmert hatten.

Obwohl mich Shako nach dieser Zeit nicht wieder erkannte, antwortete sie auf die Frage ihrer Großmutter: „Ich bin das Kind von Mama Manuela“. Und ich weiß, dass ich auch jetzt alles geben werde, damit sie Bildung und eine lebenswerte Zukunft erfahren kann!

© WaaleWaana 2021-08-15

Der Sinn des LebensZwillinge

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