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#Afrika#mut#gewalt

Schreie in der Nacht

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Schreie in der Nacht | story.one

Der afrikanische Sternenhimmel überwältigt mich wieder einmal, als ich von meinem nächtlichen Toilettengang zurückkomme. Doch plötzlich übertönen laute Frauenschreie die Stille der Nacht. Ohne nachzudenken, laufe ich diesen entgegen. Unsere Projekt-Nachtwächter laufen mir verwundert nach, bis ich bei einer Lehmhütte angekommen bin.

Durch einen Spalt in der Brettertüre sehe ich, dass ein kleines Taschenlampenlicht drin brennt, ich höre Mama Dina, meine junge Nachbarin, qualvoll schreien, im Hintergrund weint ein kleines Baby lauthals. Die Türe ist von innen verschlossen und ich poche dagegen:" Macht auf, ich bin's, Mama Manuela! Was ist los?" Nun höre ich alles deutlich und weiß, dass Mama Dina grausamst geschlagen wird, ja vielleicht sogar vergewaltigt. Wieder poche ich gegen die Tür und rufe laut. Auch meine Nachtwächter versuchen nun hineinzurufen, damit sich die Tür öffnet, aber vergebens… Noch immer stehe ich völlig verzweifelt, aber auch voller Wut und Zielstrebigkeit vor der Tür. Abermals fühle ich wie Mama Dina leidet, wie sie aufschreit, meinen Namen um Hilfe ruft, versucht die Tür zu entriegeln und zu entkommen, doch ihr gelingt es nicht. Immer wieder bebt die Tür. Mama Dina wird gerade dagegen geschlagen und wer weiß was da drin sonst noch alles passiert. Abermals klopfe ich gefühlte hundertmal gegen die Bretter, rufe lauthals, gleichzeitig fließen Tränen über meine Wangen. Dieses Gefühl, zu wissen, dass auf der anderen Seite eine Frau misshandelt wird, diese Aggressivität zu spüren, jedes Mal, wenn sie gegen die Bretter gestoßen wird. Unbeschreiblich und einfach nur grausam!

Nach einigen Minuten, die sich wie Stunden anfühlten, geht plötzlich die Tür auf und Mama Dina springt halbnackt und verzweifelt aus der Hütte. Sie läuft um ihr Leben, stolpert und fällt zu Boden. Dort bleibt sie liegen, weint qualvoll und schreit um Hilfe. Zur selben Zeit, läuft ihr Mann ihr hinterher, hebt einen großen Holzstock hoch hinauf und zielt damit auf seine Frau. Alles passiert so schnell, innerhalb von wenigen Sekunden.

Meine Wächter stürzen sich auf den Mann und versuchen ihn davon abzuhalten. Noch im selben Moment, erblicke ich im Inneren der Hütte den kleinen Michel, der etwa ein Jahr alt ist. Er hört nicht mehr auf zu weinen. Sofort husche ich in die Hütte, steige über den Gurt, der offenbar für die Schläge benutzt wurde und nehme Michel zu mir hoch. Ich versuche ihn zu beruhigen und gehe ein Stück von der Hütte weg. Nun kommt einer meiner Wächter mit Mama Dina. Gemeinsam gehen wir schnell auf unser Gelände in Sicherheit, während meine anderen Wächter ihren Mann festhalten. Einmal kurz schreie ich ihm noch zu, dass er keinen einzigen Schritt auf unser Gelände wagen sollte. In unserer Krankenstation kümmerten wir uns dann die ganze Nacht lang um Mama Dina und den kleinen Michel.

Mittlerweile leben die Frau und ihr Mann getrennt und sie ist unheimlich dankbar, dass wir ihr in dieser Nacht das Leben gerettet haben.

© WaaleWaana 2021-08-13

Schattenseiten

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