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Überraschung - es sind Zwillinge!

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Überraschung - es sind Zwillinge! | story.one

“Das gefährlichste Land weltweit, um Mutter zu sein”, lese ich in einer Statistik über die Demokratische Republik Kongo. Ich war zwar noch nicht in allen Ländern, aber dafür schon ziemlich oft im Kongo und kann aus Erfahrung sagen, dass diese Aussage mit Sicherheit wahr ist. So viele Mütter sterben hier kurz nach der Geburt, so viele Frauen müssen Grausamkeiten miterleben und so viele Babies wachsen als Waisen auf.

Obwohl ich so einige traurige Geburtsgeschichten in Tshumbe miterlebt habe, entscheide ich mich heute für eine, die gut ausgeht: Mama Atshe ist eine unserer MitarbeiterInnen in Tshumbe, sie arbeitet bei uns als Gärtnerin und hatte als Kind nie die Möglichkeit eine Schule zu besuchen. Sie ist eine herzensgute Frau, die alles tut, um ihre Familie zu versorgen. Vor etwa drei Jahren hatte sie ihr einjähriges Kind an eine Krankheit verloren, doch jetzt hat sie ihren Bauch wieder kugelrund.

Als ihre Wehen losgingen, holte mich ihr Mann, damit ich bei der Geburt dabei sein kann: für mich eine große Ehre! Die Geburtenstation kannte ich gut. Eine einfache Lehmhütte bildet das Gebäude, die Zimmer etwa fünf bis sechs Quadratmeter groß, in denen ein oder zwei Bambusbetten (und sonst überhaupt nichts) stehen. Der Kreissaal auch nicht größer als ein Stationszimmer. Darin befindet sich eine aus Brettern zusammengenagelte “Pritsche”, ein kleiner Holztisch mit einer Babywaage, ein Stück Seife, ein Kübel und das war's auch schon.

Mama Atshe lief den kleinen Gang auf und ab und blieb immer wieder kurz stehen für die Wehen. Es war früher Nachmittag und zwischendurch wurde von der Hebamme Mama Fonu per Hand untersucht. Auch ich durfte jedes Mal dabei sein und wurde, wie so oft, von Mama Fonu in ein paar Kleinigkeiten der Hebammenarbeit eingeschult. Der Muttermund war noch nicht weit genug geöffnet und auch als es schon Abend wurde, ging noch immer nichts weiter. Später in der Nacht meinte Mama Fonu: “Da stimmt was nicht, das Baby liegt wahrscheinlich nicht richtig." So marschierten wir gegen Mitternacht los in das fünf Kilometer entfernte Krankenhaus. (Hier darf man sich aber auf keinen Fall ein Krankenhaus wie in Österreich vorstellen. Es besteht auch nur aus ein paar Baracken, aber es gibt zumindest einen Arzt und einen OP-Saal.) Im KH angekommen, meinte auch der Arzt, dass das Baby falsch liegt und deshalb ein Kaiserschnitt notwendig ist. Mehrere Stunden warteten wir vor dem OP und beteten, dass Mama Atshe es überleben würde, denn mit den hygienischen Bedingungen sieht es hier nicht so rosig aus, aber es gibt ja keine andere Option.

Als schon die Sonne aufging, hörten wir endlich Babygeschrei und kurz darauf kam eine Krankenschwester mit nicht nur einem, sondern zwei Babies zu uns. Es waren Zwillinge - was für eine Überraschung für uns alle! Später wurde auch Mama Atshe herausgetragen. Wir waren heilfroh, dass alles gut verlief, obwohl Mama Atshe knapp dem Tod entkam. Am Tag wurde dann mit allen MitarbeiterInnen das Glück gefeiert!

© WaaleWaana 2021-08-05

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