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Die wachsende Winterfestfamilie

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Die wachsende Winterfestfamilie | story.one

Lea, die Tochter einer Freundin, hat sich mit drei Jahren verliebt: in Victoria Chaplin. Wir waren gemeinsam beim ersten Winterfest. Monatelang sprach sie davon, Victoria Chaplin werden zu wollen.

Am gleichen Tisch mit Lea saßen ein Jahr später der 9-jährige Tim, der die Orange auffing, die Jean-Baptiste Thierée ins Publikum schoss, und die 10-jährige Vera. Von den unzähligen echten und falschen Hasen, die am Ende über die Bühne hoppelten, reden sie noch heute. Und alle wollten wir wissen, wie sie es geschafft haben, die Ente auf Befehl zum Quaken zu bringen.

Georg Daxner ermöglichte mir, mit Lea eines Vormittags ins Zelt zu kommen und Victoria Chaplin dabei zuzusehen, wie sie in all den Requisiten für den „Cirque Invisible“ herumkramte, Bänder aufrollte, flickte, Knöpfe wieder einnähte und viele kleine Dinge für die Vorstellung am Abend wieder an den richtigen Platz rückte.

Anna, die jüngere Schwester von Vera, kam 2004 zum „Cirque Lili“. Sie war etwas verstört darüber, zeitweise nicht zu wissen, ob Jérôme Thomas denn nun eine Frau oder ein Mann sei.

2005/2006 beim „Cirque Desaccordé“ oder beim „Cirque Zanzibar“ – das wissen wir nicht mehr genau – schoss das erste Mal vor unseren Augen ein Artist kopfüber die Stange runter und fing seinen Hut auf. Es gab Riesengeschrei und frisch gebackenen Schokoladekuchen. Gleichzeitig klingelte oben in der Circuskuppel immer wieder das Telefon und einer der Artisten musste immer wieder raufklettern – und kam zu spät.

Mit vier Jahren kam Moritz 2013 das erste Mal mit: David Dimitri schießt sich selbst als Kanonenkugel ins Zelt. Wie macht er das bloß? Unendlich viele Male haben wir das YouTube-Video nachher angesehen und gestaunt. Mit Moritz war ich 2014 bei klirrender Kälte beim Zeltaufbau von „Akoreacro“, wir haben ihnen eines Abends beim Aufwärmen zugesehen und waren beim Rausgehen noch schnell im kleinen Bus bei der kurzen Geschichte von „ymediatro“ im Campingbus. Zwei Jahre später freundete er sich mit Arthur, dem älteren Bub von „Cirque Alfonse“, an. Die beiden sprachen keine gemeinsame Sprache, aber sie tollten während des Aufwärmens hochvergnügt über die und hinter der Bühne herum.

Vor zwei Jahren durfte auch der 2-jährige Emil mit ins Zelt, aber nicht hinein zur Aufführung. Welch eine Beleidigung, waren doch alle da drinnen: Bruder, Cousins, Papa, Mama, Onkel, Tante, Opa. Er musste mit mir warten, bis sie wieder herauskommen. Es war nicht einfach, ihn bei Laune zu halten.

Heuer aber kommt er mit rein. So wie alle anderen wiederkommen, von denen vorher die Rede war. Sie alle kommen alle Jahre wieder aus Wien, Tirol, Oberösterreich nach Salzburg zum Winterfest. So wie Lea und Tim, die schon beim ersten Mal dabei waren.

Anna Stiftinger

© Winterfest Salzburg 2022-01-03

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