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#festival#salzburg#winterfest

Zirkus Zauber

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Zirkus Zauber | story.one

Sobald der Schulbeginn in den spätsommerlichen Tagen fühlbar wurde, prangten auch schon die Ankündigungen eines Zirkusbetreibers auf farbenfrohen Plakaten. Die Klassenlehrerin teilte alljährlich vergünstigte Eintrittskarten aus doch ich wusste, meine Eltern würden wie üblich abwinken: „Keine Zeit, wir müssen arbeiten. Wie stellst du dir das vor? Sollen wir das Geschäft zusperren, damit wir mit dir in den Zirkus gehen können?“ Ja, da hätten sie mir wirklich einen Herzenswunsch erfüllt, es gab nämlich auch Vorstellungen an den Wochenenden. Irgendwann fragte ich nicht mehr und schenkte meine Eintrittskarte an eine Schulkollegin weiter. Das war in meinen Volksschuljahren Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger.

Eine weiter zurückliegende, vage Erinnerung führt mich in ganz frühe Kindheitstage zu einem bunten Zirkuszelt auf einer großen Wiese, einem Clown, einer Frau im Glitzerbikini und weißen Tauben. Ich saß ganz vorne neben einer Bekannten meiner Eltern und deren Sohn. Dieser Zauber, seine Gerüche und Laute blieben unvergesslich, aber auch das Mitempfinden mit dem Elefanten, der seine Schritte verhalten und im allerkleinsten Kreise setzen musste. Später fand ich das bei Rilkes Panther so schön beschrieben.

Viele Jahre danach kam das Winterfest in den Volksgarten. Die Vorstellungen brauchten keine Tiere, die angekündigten Darbietungen weckten Staunen und Neugierde, ließen die Freude der Menschen erahnen, die sie organisierten und gestalteten.

Da konnten wir mit den Kindern teilnehmen! So gehörte es bald zu unserer Adventszeit, eine der Vorstellungen zu besuchen. Den gemeinsamen Spaziergang, die Vorfreude, die eines Tages sogar von Schneeflocken begleitet war, war mir ebenso vorzeitiges Weihnachtsgeschenk, wie der Anblick der beleuchteten Zelte, die wir, von der Karolinenbrücke kommend, im Volksgarten erspähten.

Das Eintreten ins warme Vorzelt, leise und weich auf dem Plüschteppich, die gute Organisation, die freundliche Begrüßung durch Georg Daxner und seine charmante Bitte, das Handy erst nach der Vorstellung wieder einzuschalten, das war dann schon Winterfest! Ich genoss es, dass die Kinder in freudiger Erwartung dem Einlass entgegenfieberten, der sich im kleinen, dunklen Vorraum geheimnisvoll gestaltete. Vorbei an der Stahlkonstruktion der rund angeordneten Besucherreihen gelangten wir zu den Holzstiegen, die uns zu unseren Sitzen über die Manege erhoben. Die Kinder wetzten sich in freudiger Erwartung auf ihrem Platz zurecht. Welch ein Glück, wir hatten immer einen freien Blick in die Manege und auf die, die sie im hellen Licht mit ihren teils unglaublichen Kunststücken erfüllten.

Und ich saß glücklich neben meinen Lieben im unvergleichlichen Zauber, wie er nur hier entstehen konnte, auf schummrigen Plätzen mitten im Zirkusduft, in dem sich Licht und Geräusche gedämpfter anfühlten, die Sinne aber hellwach waren - im Schauen, Staunen und Genießen!

Diana Reitenbach

© Winterfest Salzburg 2022-01-11

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