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São Tomé 2008

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São Tomé 2008 | story.one

Die Propellermaschine von Libreville (Gabun) hat nur 30 Minuten Verspätung und nach 45 Minuten bin ich in São Tomé. Die Pension, in die ich möchte, existiert nicht mehr, aber Kellner von einem Restaurant bringen mich in einem großen Zimmer in einer vergammelten Villa unter. Das Zimmer ist erstaunlich sauber mit sauberem Bad und sogar AC. Auf der Straße tausche ich Geld. Hier ist die Währung der Dobra - eine weiche Währung. Meistens sind die Preise in Euro - nicht in Dollar - angegeben und werden beim Bezahlen zum Tageskurs in Landeswährung umgerechnet.

Ich musste mich wieder mal linguistisch umstellen, denn in São Tomé spricht man Portugiesisch. Der Staat besteht aus zwei Inseln von gerade mal der dreifachen Größe Münchens und hat knapp 200 000 Einwohner. Nach der Unabhängigkeit von Portugal war das Land stark kommunistisch orientiert. Da von Bodenschätzen nichts bekannt war, ist dem Land zum Glück ein langjähriger Bürgerkrieg erspart geblieben. Hier lebt man nach einem besonderen Gefühl der Langsamkeit, welches als Leva Leva bezeichnet wird. Selbst die Scharen von Straßenkötern haben sich diesem Prinzip unterworfen und liegen meist faul auf der Straße herum.

Die Menschen, eine kreolische Mischbevölkerung, sind unheimlich freundlich. Ichfrageim Büro von Sao-Tome-Air nach, wo das Büro der Airline „Air Service“ ist. Da sperrt der junge Mann einfach sein Büro zu und bringt mich mit dem Motorrad dort hin. Die beiden Inseln waren bei der Ankunft der Portugiesen unbewohnt - so wurden Sklaven und später Kontraktarbeiter hierher gebracht. Die Hauptstadt mit dem gleichen Namen wie der Staat macht einen morbiden Eindruck, nicht ohne Scharm mit bunten Häusern und gelben Taxis auf den Straßen. In der alten Festung ist ein recht anschauliches Museum untergebracht. Der junge Mann, der mich führt und nur portugiesisch spricht, kann mit Deuten und Grimassen und beiderseitigem Gelächter einen recht gelungenen Rundgang gestalten. Einmal fahre ich mit einem größeren Bus, in welchem ich bequem sitze, in ein Fischerdorf im Norden. Dort gibt es ein kleines Restaurant, welches berühmt ist für seine Schalentiere. Mein Krebs ist ganz schön mächtig und ich bekomme ein Holzbrett und einen Holzhammer dazu, dann kann ich mich mit dem Kerl beschäftigen. Ein anderes Mal fahre ich mit dem Sammeltaxi, einer gelben Blechkiste, vollgestopft mit Lebensmitteln und Fahrgästen, ungefähr 40 km Richtung Süden durch Urwald, Bananenplantagen, vorbei an Fischerdörfern nach Roca San Joao, eine Art Öko-Anlage, schön luftig auf einer Anhöhe mit Blick auf das Meer gelegen. Der Besitzer ist Künstler und Spitzenkoch, dort genehmige ich mir ein mehrgängiges vornehmes Menü. Ein junger Künstler, der dort Bilder ausstellt, nimmt mich mit seinem riesigen Toyota-Geländewagen zurück in das Hauptstadtdorf, ein angenehmes Fahrgefühl auf dem Beifahrersitz

© Wolfgang Stoephasius 2021-04-07

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