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Londons Engel stürzen ab

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Londons Engel stürzen ab | story.one

Es musste schnell gehen. Neun Menschen waren gestorben und der Inlandsgeheimdienst MI5 tappte im Dunkeln. In der Presse war es das Thema Nummer eins. In einem leerstehenden Industriegebäude wurden neun verstümmelte Leichen gefunden. Laut Autopsie wurden sie auch noch vor ihrem Tod gefoltert. Die lokale Polizei mussten hilflos zusehen, wie in der Bevölkerung ihr Rückhalt täglich schwand.

Die erste Spur führte zum bekanntesten Gangster der Stadt: Blackie, The Rat. Er war der übliche Verdächtige. Als Racketeer in kriminelle Machenschaften rund um Drogenhandel, Erpressung und Mord verwickelt. Er war Anführer der Hill Boys, einer berüchtigten Gang, die in Piccadilly und St. James ihr Unwesen trieb. Schon seit Jahren stand ihr Killer Kuklinski auf der Top-Fahndungsliste. Er war polnischer Immigrant und Psychopath. Blackie's Geschäfte blieben aber meist unter dem Radar der Bullen. Das lag daran, dass London ein riesiges Problem mit dem organisierten Verbrechen hatte.

Die City of London wurde von den Spinaros kontrolliert. Das führte oft zu Kämpfen mit den Bredicas vom East End. Sie waren die rumänischen Schutzgelderpresser, die sich Geliebte der Nacht nannten. Jeder Nachtclub und jede Bar zahlte wöchentlich. Beim geringsten Widerstand wurden im besten Fall die Gäste von Schlägertrupps so lange angepöbelt, bis das Geschäft einbrach. Oder der Schuppen ging irgendwann plötzlich in Flammen auf. Covent Garden, Bloomsburry und Soho waren klar unter irischer Ägide. Mc Connolly war der unangefochtene Boss und keine Gruppe traute sich, ihm das Gebiet streitig zu machen. Er war auch in Wettbetrug verwickelt und unterhielt mehrere illegale Wettbüros. Ein Ausraster bei einem Windhundrennen machte ihn berühmt und berüchtigt. Er vergiftete den klaren Favoriten, der mitten im Rennen mit Schaum im Mund zusammenbrach. Es konnte ihm nie etwas nachgewiesen werden, aber bei diesem Rennen machte er Millionen.

Westminster, Chelsea und Kensington wurden unter den Pinyins aufgeteilt. Sie waren einflussreiche Triaden, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs den britischen Staat erfolgreich unterwanderten. Erst im Jahre 2004 wurden sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Damals schickten sie ihre Zwangsarbeiter in der Nacht zum Muschelsuchen in die Morecambe-Bucht. Mehr als 19 Zwangsarbeiter starben bei der aufkommenden Flut. Das war auch das Ende dieses Millionengeschäfts. Sie spezialisierten sich wieder auf ihre Kernkompetenz: Schutzgelderpressung bei lokalen Geschäften.

Wer aber waren die Mörder? Als Erstes wurde Blackie verhört. Er hatte Beziehungen zu den höchsten Polizeikreisen und ein wasserdichtes Alibi. Außerdem waren die Morde nicht seine Handschrift. Abgeschnittene Lippen, durchtrennte Bizepssehnen, mit einem Bunsenbrenner verkohlte Zehen, ausgeschlagene Zähne. Die Leichen waren schrecklich entstellt. Niemand traute es ihm oder seiner Gang zu. Die Ermittler tappten im Dunkeln.

© Xenija M 2021-03-19

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